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VR und Ausbildung

Virtual Reality: Berufswahl in der Schule

Wie vermittelt man Schülerinnen und Schülern ein realistisches Bild von Ausbildungsberufen? Mit Virtual Reality.

Lächelnd tritt Tammy Weiße aus dem Büro in die Weinabteilung. Tammy, Personalleiterin bei einer Edeka-Filiale in Braunschweig, stellt sich freundlich vor, erzählt über den Alltag im Unternehmen und über den Ausbildungsberuf. „In einer kaufmännischen Ausbildung durchläufst du alle Abteilungen bei uns, hier siehst du die Obst- und  Gemüseabteilung“, erklärt sie. Danach geht es in die nächste  Abteilung. Sie plaudert mit den Angestellten an der Frischetheke über ihre Aufgaben, über die Ausbildung und die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen. Das Besondere daran: Die Besucher, die sie durch das Unternehmen führt, befinden sich nicht bei ihr. Sondern inn der Schule. Sie sehen sich den aufgezeichneten Rundgang über Virtual Reality-Brillen an.

Mini-Praktika mit Virtual Reality

Das Virtual Reality-Video von Tammy Weiße ist Teil des Projektes „Beruf VR“ und soll die Unterrichtsstunden zur Berufsorientierung an Schulen bereichern. Die Grundidee ist, so den Schülerinnen und Schülern drei- bis fünfminütige Mini-Praktika zu ermöglichen. „Wir hören von Ausbildern immer, dass die besten Azubis diejenigen sind, die vorher entweder ein Praktikum im Betrieb gemacht haben oder sich anderweitig mit dem Unternehmen beschäftigt haben“,  sagt Sebastian Seidel. Er ist einer der Gründer des Unternehmens Twinc, das das Beruf VR Projekt entwickelt hat und umsetzt. „Wir wollen  VR-Technologie nutzen, um praktischen Einblicke unkompliziert in der schulischen Berufsorientierung zu ermöglichen.“

Gestartet ist das Projekt vergangenes Jahr zunächst  als Testphase  mit  sechs Videos. Sie  geben  Einblicke  in  die  Ausbildung  als Informatikkaufmann/-frau, Berufskraftfahrer, Einzelhandelskaufmann/-frau, Packmitteltechnologen, Bürokaufmann/-frau und Elektroniker für Automatisierungstechnik. Sie wurden in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Braunschweig erstellt, weitere Kammern sollen nun als Kooperationspartner folgen. Mit den Videos sollen speziell Betriebe und Berufe, die Probleme haben, Nachwuchs zu finden, beim Recruiting unterstützt werden. Unternehmen, die sich über ein VR-Video präsentieren möchten, wenden sich an die IHK oder direkt an das Projekt, und lassen sich dann gegen eine Gebühr den Film produzieren.

Obwohl die Filme bei Schülerinnen und Schülern und Unternehmen gut ankämen, hätten die Macher aus der Testphase des Projektes wichtige Lehren gezogen, berichtet Seidel: „Am Anfang wollten wir die Schüler nicht überfrachten und haben die Videos relativ statisch gefilmt. Mittlerweile merken wir aber, dass wir sie aus Nutzersicht durchaus dynamischer gestalten und auch interaktive Elemente wie Texteinblendungen einbauen können.“ Zudem sollen die Filme künftig auf drei bis vier Minuten statt fünf bis sechs verkürzt werden. „Eine Minute kann bei der Aufmerksamkeitsspanne der Schüler schon einen großen Unterschied machen“, sagt Seidel.

WEITERE INFORMATIONEN

Informationen zum Projekt Beruf VR auf:
■■ www.berufvr.de
VR-Betriebsbesichtigungen „Dein erster Tag“:
■■ www.deinerstertag.de

Ausbildungsberufe in der Schule virtuell vorstellen: Einfache Anwendung ist wichtig

Die Filme zeigen die verschiedenen Aufgaben innerhalb des Berufes ebenso wie die Perspektiven. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu Wort, die als Azubis in dem Unternehmen gestartet sind und sich weiterentwickelt haben.

Die kooperierenden Kammern und Sponsoren stellen den Schulen VR-Brillen, sogenannte Cardboard-Brillen aus Pappe, zur Verfügung. Auf den Brillen befindet sich ein QR-Code, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler die Beruf VR-App herunterladen können. Für die praktische Anwendung im Unterricht eigneten sich die Cardboard-Brillen vor allem, weil sie unkompliziert sind, ist Seidel überzeugt: „Viele Lehrkräfte haben keine Zeit, sich in komplizierte Technik einzuarbeiten, daher wollen wir es so einfach wie möglich machen.“ Schüler können ihr eigenes Smartphone in die Pappvorrichtung einsetzen. Wenn man die Brille aufsetzt, schaut man also auf das Smartphone, das die Videos abspielt und dabei die Illusion erweckt, sich im selben Raum wie die Protagonisten zu befinden.

Berufswahl: Mit der VR-Brille mitten im Betrieb

Diese „Immersion“,  das  Gefühl  mitten  im Betrieb zu sein, sei die besondere Stärke der Berufsorientierung über Virtual Reality, betont Seidel. Dabei müsse keineswegs alles perfekt aussehen, wie in einem Imagefilm. „Wir sagen den Betrieben, dass sie vor dem Filmen nicht alles gründlich aufräumen müssen. Es soll ordentlich aussehen, aber nicht steril und unbelebt.“ Nachdem Tammy die Obst- und Gemüseabteilung und die Frischetheke besuchte, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Aufgaben sprach, läuft sie weiter zum Besprechungsraum. Dort trifft sie andere Azubis, die über ihre ersten Erfahrungen, die sie im Ausbildungsberuf machen, erzählen. „Wir waren bei einem Milchbauern und beim Schweinebauern, damit wir genau wissen, woher die Lebensmittel kommen“, erzählen sie. Tammy fasst zusammen: „Wir legen viel Wert auf Aus- und Weiterbildung. Und auf Kreativität.“ Das spiegelt sich in dem Film gut wider.

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Von didacta DIGITAL • Vincent Hochhausen • 21.05.2019

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