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Unternehmensgründung

Start-ups: Die Bildungslöwen

Start-up Gründer Tobias Himmerich weiß, wie schwer es ist, im Bildungsbereich ein Unternehmen aufzubauen. Heute unterstützt er selbst Jungunternehmer.

Tobias Himmerich ging durch das „Tal der Tränen“, wie er es nennt, als er vor sechs Jahren das Unternehmen Meinschulprojekt.de gründete. Er wollte Native Speaker an Schulen für den Fremdsprachenunterricht vermitteln. „Sich im Bildungsbereich zu etablieren und Aufträge zu bekommen, dauert Monate, wenn nicht Jahre. Da braucht man Ausdauer“, erzählt er. Bis die ersten Aufträge bei seinem Unternehmen eingegangen sind, sei ein halbes Jahr vergangen. Diese Erfahrungen teilen viele Jungunternehmer im Bildungsbereich. Lange Genehmigungsverfahren für Lernmittel in Schulen erschweren es Unternehmen, in der Branche Fuß zu fassen. „Wir hören oft von Lehrern, dass sie von einem neuen Produkt begeistert sind, sie das aber erst mit ihren Schulleitern bei der großen Konferenz besprechen müssen. Die ist aber erst im nächsten Schuljahr“, erzählt Himmerich.

Deswegen will er andere Jungunternehmer unterstützen. Er gründete letztes Jahr zusammen mit Bernd Dumser vom Lehrerportal 4teachers das Netzwerk „EDUvation“ – der Name setzt sich aus Education und Innovation zusammen. „Unsere Gründerplattform ist ähnlich wie die Fernsehsendung ‚Die Höhle der Löwen‘. Jungunternehmer stellen sich vor und werben um Gelder von prominenten Firmenchefs“, sagt Himmerich. Wie in der Sendung gibt Eduvation ausgewählten Start-ups seine Erfahrungen weiter. „Wir nehmen sie beispielsweise mit auf die didacta-Messe, stellen Kontakte zu Verlagen und Ministerien her“, sagt Himmerich. Eduvation funktioniert ähnlich wie ein Verband: Gegen einen Jahresbeitrag von knapp 1000 Euro werden Unternehmen Mitglied und somit Teil des Netzwerks. Wenn die Idee überzeugt, unterstützen die Geschäftsführer die Start-ups auch finanziell.

Alle zwei bis drei Monate finden in verschiedenen Städten Deutschlands offene Treffen statt – Himmerich nennt sie „Meetups“ –, bei denen Jungunternehmer aus ganz Deutschland den Geschäftsführern ihr Konzept vorstellen und sich über Probleme austauschen können. Teilnehmen kann jeder. „Bei den letzten Treffen in Berlin waren wir überwältigt. Über 50 Jungunternehmer waren dabei“, erzählt Himmerich.

Darunter Unternehmer Klaus Gruchmann, 40 Jahre, ehemaliger Leiter der Strategieabteilung eines Lieferdienstes. Im vergangenen Jahr gründete mit seiner Partnerin Maja Knezovic und dem Kopernikus-Gymnasium in Blankenfelde in Brandenburg das Start-up „emoree“. Eine e-Learning Plattform, um Lesefähigkeiten, Textverständnis und Konzentration zu trainieren. „Als Studenten dachten wir, dass wir im Beruf weniger Lesen müssen – doch die Realität sieht anders aus, wir lesen im Schnitt mehr als 2,5 Stunden täglich“, sagt Gruchmann, „durch unsere Kurse wird man schneller und merkt sich das Gelesene besser.“ Hunderte Kurs-Buchungen gehen mittlerweile bei „emoree“ monatlich ein. Bei dem Meetup in Berlin stellte Gruchmann sein Konzept in fünf Minuten vor. „Wir haben ein Video präsentiert. Es zeigt Schüler, wie sie einen Kurs bei uns belegen. Sie haben dann an einem Lesewettbewerb teilgenommen und gewonnen“, freut sich Gruchmann. Er hofft nun, bei Eduvation von Synergien mit anderen Unternehmen zu profitieren, damit seine Plattform weiter wachsen kann. „Und, das wir zur Schnelllesehochburg werden“, ergänzt er lächelnd.

Nicht nur für Jungunternehmer ist die Gründerplattform Eduvation interessant, auch für Lehrkräfte. „Viele wissen nicht, wo sie neue Ideen für den Unterricht finden können. Bei uns haben sie eine Anlaufstelle“, ist Himmerich überzeugt. Erklärvideos in Youtube, Mathematik-Nachhilfe via Facebook, Beratungsunternehmen für den Einsatz digitaler Medien in Schulen, geschätzt gibt es 200 Start-ups im schulischen Bildungsbereich in Deutschland. Mit acht Unternehmen, die im Moment Mitglied bei Eduvation sind, steht das Netzwerk noch am Anfang. Aber wie alle Start-ups wollen Himmerich und Dumser schnell wachsen. Von dem Erfolg ihres Netzwerkes sind sie überzeugt. „Das Konzept ist einzigartig. Und wir Jungunternehmer profitieren alle davon.“

Von didacta DIGITAL • 14.08.2018

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