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Schul-Clouds

Schul-Clouds: Lernen in Wolken

Clouds können die Digitalisierung an Schulen erleichtern. Denn auf die Lerninhalte in den Clouds können die Schüler mit ihren Laptops und Handys zugreifen.

Obwohl sich Smartphones und Tablets kaum mehr aus dem Alltag von Schülern wegdenken lassen, steht der Einsatz digitaler Medien an vielen Schulen noch am Anfang. Die Gründe sind vielfältig: fehlende Ausbildung der Lehrer, schlechte WLANVerbindung, mangelnde technische Ausstattung an den Schulen. Nun entwickelt das Hasso-Plattner-Institut eine Schul-Cloud, zusammen mit Schulen des MINT-EC, um zumindest das Infrastruktur-Problem zu lösen.

Entlastung für Lehrer
Die Schul-Cloud ist eine Datenwolke, auf der Lerninhalte hochgeladen und verwaltet werden können. Jederzeit und von überall können Schüler und Lehrkräfte auf die Cloud mit ihren mobilen Geräten zugreifen. Die Forscher des Hasso-Plattner-Instituts wollen damit den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorantreiben und Lehrkräfte von der IT-Administration entlasten: Es ist kein regelmäßiges Software-Update nötig, niemand muss die Server warten. Gefördert wird sie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Projekt soll Chancen und Lösungsansätze cloudbasierter Dienste und Strukturen im schulischen Kontext evaluieren und diskutieren.

Es ist kein regelmäßiges Software-Update nötig, niemand muss die Server warten.

Das Projekt Schul-Cloud startete im Februar 2017 mit 27 Schulen. Die teilnehmenden Schulen gehören zum nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC. Über 15 Monate testen je zwei Klassen pro Pilotschule in unterschiedlichen Schulfächern wie Deutsch und Physik die Cloud. Schüler können im Unterricht über die Cloud auf Arbeitsblätter und Lernmaterialien zugreifen. Das Hasso-Plattner-Institut bezieht die Schulen in die Weiterentwicklung der Cloud mit ein, um sie an den Anforderungen des Schulalltags anzupassen. Ziel ist, dass in der Pilotphase ab Mai 2018 bis zu 300 Schulen des MINT-EC-Netzwerks die Schul-Cloud nutzen.

Die nutzerorientierte Entwicklung der Schul-Cloud soll den Schulen helfen, die Möglichkeiten digital unterstützten Lehrens und Lernens besser auszuschöpfen. In einer Befragung zu dem Projekt wurde das Potenzial von Cloud-Angeboten für Schulen erhoben. Fast 90 Prozent der befragten Lehrkräfte und Schulleitungen sehen in Cloud-Angeboten für Schulen ein hohes bis sehr hohes Potenzial und unterschiedliche Einsatzszenarien, wie zum Beispiel für Recherche, Kommunikation und Kollaboration.

Vorteile der Schul-Cloud

  • Zugang zu Lern- und Lehrmaterialien jederzeit
  • Keine Computerräume notwendig
  • Keine aufwendige Wartung von Hard- und Software
  • Hard- und Software auf dem neuesten Stand
  • Digitale Medien sind auf Grund professioneller Wartung sicher Digitale Lern- und Lehrangebote können direkt von Nutzern bewertet werden
  • Jeder kann eigene Lernangebote bereitstellen Schüler müssen keine Bücher mehr tragen

Clouds im Schulalltag
Neben einem Kalender- und Benachrichtigungsdienst ist ein sicherer Speicher zur Dateiablage und -verwaltung mit einem Virenscan in der Cloud integriert. Die Schul-Cloud kann zur Unterrichtsplanung und -gestaltung genutzt werden. Neben der Erstellung von Unterrichtsthemen mit Texten, Bildern, Videos oder Audiodateien können thematisch verknüpfte Aufgaben für die Schüler einbezogen werden. In der Schul-Cloud ist die Bereitstellung, Bearbeitung und Abgabe von Aufgaben möglich. Zudem ist eine Art Lernstore integriert, um Lehrkräften und Schülern einen umfangreichen und vor allem einfachen Zugang zu Bildungsmaterialien zu gewährleisten. Im Lernstore sind frei verfügbare Materialien und kommerzielle Angebote vorhanden, von Start-ups und etablierten Schulbuchverlagen. Durch digitale Schulbücher werden die Schultaschen leichter.

Dabei hat die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen aller Bundesländer im Projekt Schul-Cloud eine hohe Priorität. Personenbezogene Daten werden ausschließlich im Kernservice, also der Schul-Cloud selbst, verwendet. Müssen Daten an Dritte weitergeleitet werden, beispielsweise um im digitalen Schulbuch den Lernstand des Schülers zu speichern, sind diese pseudonymisiert.

Von didacta DIGITAL • Vivien Marie Malyska und Christoph Meinel • 15.03.2018

Vivien Marie Malyska

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Schul-Cloud am Hasso-
Plattner-Institut und befasst sich mit digitaler Bildung an Schulen.

Professor Christoph Meinel

 ist Direktor des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik GmbH und Dekan der Digital Engineering Fakultät an der Universität Potsdam.

Partner

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