© Rawpixel.com/shutterstock
Tablets im Unterricht

Rutherford in digital

Tablets für die Schüler, stabiles WLAN, digitale Tafeln – die Stadt Hannover stattet in einem Pilotprojekt Schulen mit besserer technischer Infrastruktur aus.

Es helfen Animationen, Videos aus dem frühen 20. Jahrhundert, um die Zeit des Neuseeländers Ernest Rutherford zu verstehen. Damals waren die Naturwissenschaften im Umbruch. Das grundlegende Verständnis des physikalischen Weltbildes änderte sich. Rutherford, ausgezeichnet mit dem Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der Halbwertszeit von Uran, forscht zu der Zeit an Atommodellen. Er weist durch einen Versuch mit Goldfolie nach, dass ein Atom aus einem Kern und einer Hülle besteht, auf der sich Elektronen bewegen.

Die Schüler eines Physikkurses der Humboldtschule haben gerade Physik. Sie sehen sich auf ihren iPads einen Film an und füllen Lückentexte aus. Lehrer Claus-Hinrich Schröder erklärt ihnen dazu, wie die winzigen Teilchen unserer Atmosphäre aufgebaut sind. „Mit Büchern kann ich das Rutherfordsche Atommodell nicht so anschaulich darstellen wie auf den Tablets. Und mit originalen Videoausschnitten aus der Zeit können die Schüler die Entdeckung in einen historischen Kontext setzen“, sagt Schröder.

Das Medienentwicklungsprojekt der Stadt Hannover
An dem Pilotprojekt arbeiten Stadt, Schulen, Eltern und das Institut für Informationsmanagement Bremen an der Digitalisierung der Schulen. Es umfasst die technische Ausstattung von fünf Pilotschulen, die Installation von Beamern und interaktiven Tafeln, die Entwicklung von didaktischen Konzepten und Cloud- und Supportlösungen.

Jährlich 2,5 Millionen Euro
Drei 7. Klassen des Gymnasiums im Süden Hannovers nehmen an dem Medienentwicklungsprojekt der Stadt teil. Es ist eines von sechs Schulen, das dieses Schuljahr mit Tablets ausgestattet wurden. „Die Schulen haben sich bei uns beworben. Danach überprüften wir die technischen Voraussetzungen für WLAN-Ausstattung und die Bereitschaft, dass sich die Lehrer didaktisch weiterbilden“, sagt Rita Maria Rzyski, Stadträtin für Bildung, Jugend und Familie.

Physiklehrer Claus-Hinrich Schröder ist an der Humboldtschule verantwortlich für das Projekt und Mitglied der erweiterten Schulleitung. „Zwei bis drei Lehrkräfte von jeder Pilotenschule haben sich damals mit den Verantwortlichen der Stadt getroffen, um über die Hardware zu sprechen“, erzählt er. Dabei entschieden sie sich für iPads. Nicht nur die einfache Handhabung war entscheidend, sondern in erster Linie das didaktische Potenzial des App-Angebots zu dieser Plattform, die Erfüllung der Anforderungen des Datenschutzes und dann natürlich auch die einfache Verwaltbarkeit. Die Geräte werden auf die im Unterricht eingesetzten Apps und die erforderlichen Funktionen eingeschränkt. Die Schüler haben durch ein spezielles Programm eine auf sie zugeschnittene Benutzeroberfläche. Die Tablets sind elternfinanziert, etwa 14 Euro kostet die monatliche Miete.

WLAN-Accesspoints gibt es in jedem Klassenzimmer - so ist das WLAN stabil.

Die Schulen erhielten außerdem WLAN-Accesspoints und interaktive Tafelsysteme in den Klassenräumen. Für die Infrastruktur stellt die Stadt Hannover jedes Jahr 2,5 Millionen Euro bereit. Die Landeshauptstadt hat das Ziel, schrittweise alle Schulen für die digitale Zukunft auszustatten. Wichtig ist jedoch als Erstes, die Erfahrungen des jetzt laufenden Vorläuferprojekts auszuwerten, sagt Stadträtin Rzyski. Neben der Ausstattung ist die Lehrerfortbildung Bestandteil des Medienentwicklungsprojekts. Die Lehrkräfte der Humboldtschule haben drei schulinterne Schulungen besucht, zur Technik der Tablets und ihrem Einsatz im Unterricht. „Wir besuchen auch weiterhin Workshops, die durch das Medienzentrum angeboten werden“, sagt Schröder.

Mit Tablet unterrichten
Die Lehrkräfte an der Humboldtschule entscheiden selbst, wie oft sie mit den digitalen Medien unterrichten. „Natürlich setzen nicht alle Kollegen das iPad jede Stunde ein, in Sport und Kunst beispielsweise werden sie kaum benutzt.“ Die Lehrkräfte, die nicht in den drei 7. Klassen unterrichten, können die Geräte für ihren Unterricht reservieren.

Die Schüler sind motivierter und lernen selbstständiger.

Videos und Animationen ohne Ruckeln ansehen, da das WLAN jetzt gut funktioniert, Aufgaben online bearbeiten – durch die Teilnahme an dem Projekt ist das nun möglich. „Ich kann zwar nur von meinem Fach Physik sprechen, aber hier haben die Schüler mehr Spaß beim Lernen“, sagt Schröder. Die Schüler seien deutlich motivierter und lernen selbstständiger, wenn sie mit den Tablets animierte Modelle von Atomen ansehen. „Diese Medien sprechen sie einfach mehr an als ein trockenes Buch.“ Und selbst schüchterne Schüler trauen sich bei Schröder nun mehr im Unterricht. Sie müssen, wenn sie Aufgaben lösen, nicht mehr an die Tafel vor, sondern können auf ihrem Platz sitzenbleiben und ihre Lösungen auf die interaktive Tafel übertragen. So auch die Ergebnisse über das Atommodell von Rutherford: Silvia* hat alle Teile des Atoms, vom Atomkern über die Hülle, richtig eingezeichnet.

*Name von der Redaktion geändert

Von didacta DIGITAL • Tina Sprung • 15.03.2018

Partner

eMag didacta DIGITAL