© Ministerium in Kolumbien
International

Kolumbien digitalisiert sich

Netzausbau, Stipendien für IT-Berufe und Technik-Schulungen: Das südamerikanische Land hat die Digitalisierung zur Priorität gemacht.

Kolumbien ist in Deutschland meist nur wegen des Friedensprozesses in den Nachrichten, der den seit Jahrzehnten schwelenden Bürgerkrieg mit der marxistischen Farc-Guerilla beenden soll. Dabei sind auch andere Entwicklungen in diesem Land bedeutsam. Eine davon ist die Strategie für digitale Ökonomie, die Kolumbiens Minister für Informationstechnologie und Kommunikation, David Luna, im vergangenen Jahr bekannt gab. Ihr Ziel ist es, die Nutzung von Internet und digitalen Technologien in allen Gesellschaftsbereichen voranzutreiben, im ganzen Land flächendeckenden und schnellen Internetzugang zu ermöglichen und den IT-Sektor zu stärken. „Die Digitalisierung läuft quer durch alle Bereiche. Ein kleines Schuhgeschäft, eine Bäckerei oder der Laden an der Ecke werden davon gleichermaßen profitieren“, sagt David Luna, der seit 2015 Minister ist. „In einigen Sektoren ist das Potenzial für digitale Initiativen besonders groß, sei es wegen ihren Problemen, ihren Datenmengen oder ihren Wachstumsraten. Dazu gehören der Finanzsektor, die Verwaltung, das Gesundheitssystem, das Bildungswesen und die Logistik.“

Rapider Netzausbau
Um zu analysieren, wie in diesen Bereichen digitale Technologien wie Cloud Computing, neuartige Datenanalysen oder künstliche Intelligenz am besten eingesetzt werden können, wurde Lunas Ministerium 2017 ein neues Vizeministerium für digitale Ökonomie unterstellt. Das Vizeministerium untersucht den Fortschritt bei der Digitalisierung und erarbeitet neue politische Initiativen, die diese vorantreiben sollen. Ab 2019 sollen beispielsweise Internetprovider in Kolumbien Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 25 Megabyte pro Sekunde gewährleisten. Das wäre besser als die Situation in Deutschland: Ende 2016 hatten hier weniger als 90 Prozent der deutschen Haushalte Zugang zu Verbindungen mit mehr als 15 Megabyte pro Sekunde. So soll nach dem Ausbau der Internetnutzerzahlen nun auch die Verbindungsqualität verbessert werden. „Vor sieben Jahren waren nur 200 Gemeinden mit dem Internet verbunden. Heute sind es 1090. Insgesamt haben 64 Prozent der Haushalte in Kolumbien einen Internetzugang“, betont Minister Luna. „Zudem gibt es bereits 1000 Zonen mit freiem WLAN-Zugang, viele davon in entlegenen Gebieten, und 7700 ‚Live Digital Kiosks‘, die Internetzugang haben und auch IT-Schulungen anbieten.“

Vor sieben Jahren waren nur 200 Gemeinden mit dem Internet verbunden. Heute sind es 1090.

IT-Nachwuchs fördern
Im Bildungsbereich zielt die Digitalstrategie vor allem auf den Nachwuchs in IT-Berufen ab. Über das Programm „Talento TI“ – zu Deutsch IT-Talent – finanziert das Ministerium Stipendien für IT-Studiengänge und Weiterbildungskurse, von denen bislang fast 22 000 Kolumbianer profitieren konnten. Nach Angaben des Digital Economy Observatory ist das auch dringend nötig, denn es fehlen derzeit rund 53 000 IT-Fachkräfte. Auch wenn noch viel zu tun ist, ist Minister David Luna zuversichtlich: „Wir bringen Kolumbien in die digitale Ökonomie. Das wird das Land fortschrittlich und die Lebensqualität der Menschen besser machen.“

Von didacta DIGITAL • Vincent Hochhausen • 16.03.2018

Partner

eMag didacta DIGITAL