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Digitalisierung in Schulen

Digitalisierung: so klappt digitale Bildung in Schulen

In vielen deutschen Schulen besteht ein erheblicher Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Um diesen Prozess erfolgreich zu gestalten, bedarf es individueller Lösungen.

„Es gibt keinen Königsweg, nur wenige einheitliche Vorgaben und noch weniger allgemeingültige Lösungen“, davon ist Johannes Zylka überzeugt. Der Medienpädagoge und Autor des Buches „Digitale Schulentwicklung“ weiß aus seiner Berufspraxis: Die Digitalisierung in der Schule muss genau geplant sein.

Digitalisierung als Prozess

Der Digitalisierungs-Prozess, betont Zylka, könne „einige Jahre dauern, insbesondere, wenn damit noch andere Fragen, etwa die technische Ausstattung der Kollegen und Kolleginnen oder deren Medienkompetenzen in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Ansonsten folgen Unsicherheit, Unmut und damit letztlich Fehlinvestitionen und eine ablehnende Haltung der Betroffenen gegenüber neuer Technologien.“

Schulentwicklung und Digitalisierung

Eine gute Planung und die Kooperation aller Beteiligten entscheiden über den Erfolg jeder Digitalisierungsmaßnahme. Um den Planungsprozess zu optimieren, schlägt der Pädagoge ein Vier- Wege-Modell vor, das neben Personalentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung auch die Digitalisierungsmaßnahmen einbezieht:

Schritt 1: Rahmenbedingungen klären

Um den Prozess effizient, kostengünstig und ressourcenschonend anzustoßen, muss die geplante Digitalisierungsmaßnahme sorgfältig geplant werden. „Sie sollten sich in diesem ersten Schritt der Rahmenbedingungen und der Ziele vergewissern, die an der Schule verfolgt werden  sollen. Das betrifft einen umfassenden Ansatz der Digitalisierung ebenso, wie wenn Sie nur kleinere Projekte angehen. Entscheidend dabei: Erfolgreich wird die Maßnahme nur dann, wenn sämtliche Auswirkungen der Digitalisierung auf den Schulbetrieb berücksichtigt werden. „Die erfolgreiche Integration digitaler Medien beginnt bereits auf Schulleitungsebene. Mit einer klaren Vision lassen sich diese wesentlich stringenter in den Schulalltag einbinden als mit dem planlosen Vorsatz, auf jeden vorbeifahrenden Zug aufzuspringen.“ An diesem Punkt geht es zunächst darum, sich mit vorgegebenen Rahmenbedingungen, wie technischen und finanziellen Voraussetzungen, realistisch auseinanderzusetzen. Zylka rät, bereits in dieser Phase mehrere Kollegen und Kolleginnen zu finden, die technisch versiert und bereit sind, sich weiter einzuarbeiten. „Dabei ist zu beachten: Wir alle kennen die Situation, dass ein Freiwilliger gesucht wird, der das Computersystem wartet. Oft wird dann ein mathematik- oder technikaffiner Kollege ausgewählt. Doch nur weil sich jemand mit Computern oder iPads auskennt, heißt das nicht automatisch, dass er auch ein Netzwerk für 500 Endgeräte im Rahmen der für ihn zur Verfügung stehenden Zeit vollständig einrichten und  warten kann.“

Ablauf-Planung

Entscheidend für den weiteren Verlauf der Digitalisierung ist es, die Fragen zu klären, mit welchem Ziel digitale Medien eingeführt werden sollen und ob das gesamte Kollegium hinter der angestrebten Entwicklung steht. Die gefundenen Antworten ermöglichen schließlich das Setzen von kurz-, mittel- und langfristigen, möglichst konkreten Zielen, wie „Jede Lehrkraft verwendet das Tablet in einer Stunde in der Woche“ oder  „Wir bilden noch bis Ende dieses Schuljahres pro Stufe einen Schülermedienmentor aus“. Mit der Festlegung der einzelnen Schritte lässt sich in der Folge der Zeit-, Personal- und Ressourcenaufwand erstmals grob kalkulieren. Es entsteht ein spezifischer Medienentwicklungsplan.

Schritt 2: Fragen zur Technikaustattung

„Es macht immer Sinn, Augen und Ohren offenzuhalten. Immer wieder gibt es durch öffentliche Auftraggeber oder Stiftungen Ausschreibungen, die die Digitalisierung der Schulen in den Fokus nehmen. Gute Anlaufstationen hierfür sind die Robert Bosch Stiftung, die Deutsche Telekom Stiftung oder der Branchenverband Bitkom. Wertvolle Hinweise ergeben sich oft durch Kooperationen in schulnahen Netzwerken, etwa dem Forum Bildung Digitalisierung oder dem Materialnetzwerk.“

Schritt 3: Manpower

„Seien Sie sich dessen bewusst, dass sich die enormen Summen, um die es bei der Anschaffung von Informationstechnologie schnell geht, lediglich dann auszahlen, wenn die angeschafften Technologien im Alltag auch tatsächlich sinnvoll genutzt werden. Für eine nachhaltige Wirkung getätigter Investitionen ist ein klares Konzept auf der Ebene der Personalentwicklung notwendig, das eine fortwährende Begleitung der Lehrkräfte beinhaltet. Dabei ist explizit nicht auf die Teilnahme an einzelnen Fortbildungen zu fokussieren, sondern auf – wenn möglich – hausinterne Fortbildungsangebote oder sogar die begleitete, aber größtenteils eigenständige Einarbeitung der Lehrkräfte.“

Schritt 4: Reflexion der Nutzung

„Es erweist sich für Kollegen/-innen besonders bedeutsam, eine offene Lernatmosphäre zu schaffen, bei der Fehler machen mit dazugehört und als Ausgangspunkt für die gemeinsame Weiterentwicklung verstanden wird. Die Integration digitaler Medien kann nicht ohne Fehler machen aufseiten der Lehrer/-innen wie der Schüler/-innen vo nstattengehen; dafür handelt es sich um einen viel zu komplexen Gegenstand.“

Von didacta DIGITAL • Benigna Daubenmerkl • 19.02.2019

Zum Weiterlesen:

Johannes Zylka: Digitale Schulentwicklung. Das Praxisbuch für Schulleitung und Steuergruppen
Beltz Verlag, 2018 - 125 Seiten, 24,95 Euro

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