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Prüfung digital

Digitalisierung: Die Kamera als Prüfungsaufsicht

Private Hochschulen setzen auf digitale Bildung und arbeiten mit Lern - und Lehrmethoden, die man an staatlichen Hochschulen kaum findet. An der Fernuniversität „AKAD“ kann man beispielsweise Prüfungen zu Hause per Videochat ablegen.

didacta DIGITAL: Herr Boese, Digitalisierung verändert die Bildung. Wie gehen Sie damit an Ihrer Hochschule um?

Daniel Boese: Dadurch, dass die Zyklen, in denen sich die digitale Technik verändert, immer kürzer werden, steigt die Wichtigkeit, sich darauf einzustellen und damit auch die Wichtigkeit technologischer Bildung. Dieses Reagieren auf den digitalen Wandel ist für Unternehmen keine Nebensache, sondern Thema in den Führungsspitzen. Auch die Hochschulen müssen diesem Wandel gerecht werden. Wir sehen uns da als Vorreiter. Das drückt sich in den Studiengängen aus, die wir anbieten, beispielsweise Big Data- oder Innovationsmanagement. Wir gehen aber auch in der Art und Weise der Wissensvermittlung zeitgemäße Wege.

Zum Beispiel?

Beispielsweise im Prüfungswesen. Bei uns kann man Prüfungen online ablegen, ohne extra in ein Prüfungszentrum gehen zu müssen. Für viele unserer Studenten ist das praktischer, da die meisten berufsbegleitend studieren. Außerdem ist es uns möglich, den individuellen Lernstand zu erfassen, da wir mit digitalen Lernmodulen arbeiten.

Wie laufen solche Online-Prüfungen genau ab?

Die Studierenden können sich mit einer halben Stunde Vorlauf rund um die Uhr online anmelden. Über einen sogenannten Proctor Service müssen sie sich vor der Prüfung identifizieren, um zu garantieren, dass sie die Prüfung auch selbst ablegen. Sie müssen zum Beispiel mit der Kamera durch den Raum gehen, um zu zeigen, dass niemand sonst anwesend ist und dass es keine unerlaubten Hilfsmittel gibt. Die Kamera zeichnet die Teilnehmer auch während der Klausur auf. Im Anschluss wertet eine Software aus, ob es Hinweise auf einen Betrugsversuch gibt. Falls ja, schaut sich jemand das Video an und überprüft, ob alles richtig abgelaufen ist. Die Studierenden können sich mit einer halben Stunde Vorlauf rund um die Uhr online anmelden. Über einen sogenannten Proctor Service müssen sie sich vor der Prüfung identifizieren, um zu garantieren, dass sie die Prüfung auch selbst ablegen. Sie müssen zum Beispiel mit der Kamera durch den Raum gehen, um zu zeigen, dass niemand sonst anwesend ist und dass es keine unerlaubten Hilfsmittel gibt. Die Kamera zeichnet die Teilnehmer auch während der Klausur auf. Im Anschluss wertet eine Software aus, ob es Hinweise auf einen Betrugsversuch gibt. Falls ja, schaut sich jemand das Video an und überprüft, ob alles richtig abgelaufen ist.

Wie funktioniert diese Software?

Sie wertet Geräusche aus, registriert, ob jemand aufsteht oder ein Buch hervorzieht. Das bedeutet nicht, dass betrügen unmöglich wird, es ist aber deutlich schwerer. Und der große Vorteil gegenüber Präsenzprüfungen ist, dass dadurch, dass die Prüfung aufgezeichnet wird, man Betrugsversuche gegebenenfalls auch im Nachhinein nachweisen kann.

Mussten Sie davon schon einmal Gebrauch machen?

Zum Glück noch nicht. Die Tatsache, dass der Studierende aufgezeichnet wird, schreckt einfach ab.

Laufen mündliche Prüfungen auch digital ab?

Ja, mündliche Prüfungen nehmen wir über Videochats ab. Insgesamt bedeutet das eine große Flexibilisierung und einen großen Zeitgewinn für die Studenten.

Sie sprachen  außerdem  davon, dass sie durch digitale Lernmodule den Lernstand der Lerner individuell erfassen können. Wie äußert sich das in der Praxis?

Wir können dem einzelnen Lerner automatisiert Rückmeldung darüber geben, wo Defizite bestehen – etwa wenn er Lernaufgaben bearbeitet oder Testklausuren schreibt. Darüber hinaus werten wir aus, wo sich bei der Masse der Studierenden Schwierigkeiten zeigen, beispielsweise wenn viele Lerner lange für ein Lernmodul brauchen oder bestimmte Fragen falsch beantworten. Diese Informationen dienen den Professoren und Dozenten dazu, die Lernmodule zu verbessern.

Kommt durch das Fernlernen nicht das gemeinsame Lernen zu kurz?

Auch wenn jeder sein Studium beginnen kann, wann er will, im eigenen Tempo arbeitet und dadurch jeder einen anderen Lernstand hat, gibt es auch Formen des gemeinsamen Lernens. Zum einen in Lerngruppen für bestimmte Module. Zum anderen können Professoren Inhalte zu bestimmten Themen an mehrere Teilnehmer streamen, um gemeinsam Rückfragen zu klären.

Prüfungen von Zuhause, Online-Module, automatisierte Auswertung des Lernstandes – sind diese Innovationen wirtschaftlich motiviert, da sie Geld und Personal sparen, oder um die Qualität zu verbessern?

Beides. Diese beiden Aspekte stehen nicht im Widerspruch zueinander, denn gute Qualität und zufriedene Studenten wirken sich letztlich auf unseren wirtschaftlichen Erfolg aus. Als private Eirnichtung haben wir generell einen Anreiz, das Studium für die Lerner möglichst attraktiv zu gestalten.

Ist Online - Lernen die Zukunft?

Die Studierenden sind dadurch flexibel und können individuell lernen. Das entspricht dem aktuellen Forschungsstand, der besagt, dass jeder Mensch anders lernt. Zudem kommt es den unterschiedlichen Lebensverhältnissen der Studenten entgegen – vor allem derer, die berufsbegleitend studieren.

Daniel Boese

ist gelernter Physiker. Er ist seit Ende 2018 Geschäftsführer der Fernhochschule „AKAD University“, einer privaten Fernhochschule, die 13 Bachelor-, sieben Master- und drei MBA-Fernstudiengänge anbietet. Derzeit lernen dort rund 6000 Studierende.

Von didacta DIGITAL • 21.05.2019

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