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Stellungnahmen

Monitor Digitale Bildung - Zusammenfassung Stellungnahmen

Die digitale Welt verändert das Lernen wie kaum eine gesellschaftliche Entwicklung zuvor. Viele Schulen haben das erkannt, aber noch nicht in ihrem Schulalltag umgesetzt. Das ergab die Studie "Die Schulen im digitalen Zeitalter" - die dritte Ausgabe des "Monitor Digitale Bildung". didacta DIGITAL hat die Stellungnahmen zusammengestellt.

Zur Studie:

Lehrer und Schulleiter begrüßen zwar grundsätzlich die neuen Technologien – für ihren pädagogisch sinnvollen Einsatz fehlt es jedoch noch immer an Konzepten, Weiterbildung und Infrastruktur. Dass die digitale Welt Schule verändert, ist für viele Lehrer und Schulleiter klar – wie man diese Veränderung gestalten kann, dagegen noch nicht. Dieses konzeptionelle und technische Vakuum belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die den Stand des digitalisierten Lernens in Deutschlands weiterführenden Schulen aus Sicht der Beteiligten untersucht.

Schulleiter halten den digitalen Wandel für unaufhaltsam: Rund 90 Prozent erwarten, dass Digitalisierung fester Bestandteil der Lehrerausbildung wird, sich der IT-Support professionalisiert und die Lehrer mehr pädagogische Unterstützung im Umgang mit neuen Lernmaterialien erhalten. Etwa 70 Prozent der Schulleiter und Lehrer sind davon überzeugt, dass digitale Medien die Attraktivität ihrer Schule steigern werden. Beim pädagogischen Nutzen ist die Skepsis aber noch groß: Nur jeder fünfte Lehrer (23 Prozent) glaubt, dass digitale Medien dazu beitragen, die Lernergebnisse seiner Schüler zu verbessern. 

Ganz anders bewerten Schüler selbst ihren digitalen Lernerfolg: 80 Prozent bestätigen, dass sie durch Lernvideos, Internetrecherche oder moderne Präsentationsprogramme aktiver und aufmerksamer seien und wünschen sich einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien.

Dennoch bauen die meisten Lehrer selbst längst etablierte Medien wie YouTube, Wikis und Power Point nur gelegentlich in ihren Unterricht ein. Noch seltener finden neuere Anwen-dungen wie Lern-Apps, Lernspiele oder Simulationen den Weg in die Schulpraxis: Nicht einmal 10 Prozent der Lehrer setzen solche digitalen Medien ein, die kreatives, individuelles oder interaktives Lernen fördern. Und trotz häufig noch schlechter technischer Ausstattung verbieten 62 Prozent der Schulen, private Endgeräte der Schüler im Unterricht zu verwenden.

Demnach fehlt es nicht nur an Geräten und Internet-Anschlüssen, sondern vor allem an Konzepten, wie digitale Medien im Unterricht sinnvoll einzusetzen sind. "Schule nutzt das pädagogische Potenzial des digitalen Wandels noch nicht", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung: "Digitale Medien können dabei helfen, pädagogische Herausforderungen wie Inklusion, Ganztag oder die Förderung lernschwacher Schüler zu bewältigen."

Tatsächlich verwendet aber kaum eine Schule neue Technologien, um besonders förderbedürftige Schüler zu unterstützen – obwohl das möglich wäre. Dabei riskiert Schule auch, sich von der Lebenswelt der Schüler zu entkoppeln und moderne Kultur- und Arbeitstechniken nicht hinreichend zu vermitteln. Die große Mehrheit der Lehrer (81 Prozent) und Schulleiter (88 Prozent) sieht die Chancen des digitalen Wandels stattdessen hauptsächlich darin, administrative Aufgaben besser bewältigen zu können.

Ihre Zurückhaltung begründen viele Lehrer mit technischen Rahmenbedingungen. 74 Prozent bemängeln die unzuverlässige Medientechnik, 67 Prozent fürchten zu hohe Kosten für Hard- und Software, und 62 Prozent vermissen professionellen IT-Support. Nur jeder Dritte ist mit der WLAN-Qualität zufrieden, jeder Fünfte gibt sogar an, an seiner Schule gebe es gar kein WLAN. Auch ungeklärte Lizenz- und Datenschutzfragen werden von 58 Prozent der Pädagogen als wesentliche Hürden benannt.

Die befragten Experten in Ministerien, Schulträgern und Verbänden hingegen verorten die größte Baustelle eher in einem konzeptionellen Defizit. Tatsächlich messen nur 8 Prozent der Schulleitungen der Digitalisierung hohe strategische Bedeutung für die Ausrichtung ihrer Schule bei. Die Folge: Den Schulen fehlt ein Konzept zum Einsatz digitaler Lernmittel, das Kollegium entwickelt kein gemeinsames didaktisches Verständnis, und ihre Weiterbildung müssen Lehrer zumeist selbst organisieren.

Die politische Digitalisierungsoffensive für die Schulen dürfe nicht bei leistungsstärkerem WLAN und besserer Geräte-Ausstattung stehenbleiben, schlussfolgert Jörg Dräger. Entscheidend seien vielmehr Haltung und Kompetenzen der Pädagogen: "Der sinnvolle Einsatz digitaler Medien muss selbstverständlich in der Weiterbildung und Pflichtprogramm in jedem Lehramtsstudium werden. Digitalisierung darf für Lehrkräfte nicht als zusätzliche Belastung erscheinen, sondern sollte Teil der Lösung für ihre pädagogische Herausforderungen sein." Dazu sei es auch nötig, mehr Transparenz über die Qualität digitaler Lernmaterialien zu schaffen und den digitalen Wandel als unverzichtbaren Teil jedes Schulentwicklungsprozesses zu verstehen.

 

Das sagt:

Verband Deutscher Realschullehrer (VDR): In Bezug auf den von der Bertelsmann-Stiftung vorgestellten „Monitor Digitale Bildung“ betont VDR-Bundesvorsitzender Jürgen Böhm die großen Chancen, die mit dem Digitalisierungsprozess einhergehen, verweist aber auch darauf, dass dieser Prozess nicht alle pädagogischen Herausforderungen lösen werde und nicht als „Allheilmittel“ zu interpretieren sei. Ein zukunftsorientierte Schule müsse sich natürlich mit diesen Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft auseinandersetzten und den Heranwachsenden beste pädagogische und technische Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen. Ihr künftiges Leben werde ihnen verstärkt Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kritikfähigkeit im Umgang mit modernen Medien, digitalisierten Prozessen und entsprechenden Kommunikationsmitteln abverlangen. Es komme darauf an, die digitalen Strukturen und Medien sinnvoll in die Unterrichtskonzepte einzubinden. Dabei müsse es jedoch immer um die Qualität, den pädagogischen Mehrwert und den Erkenntniszuwachs für die Schüler gehen und niemals um die Quantität der Endgeräte oder den reinen Einsatz von Technik.  

Verband Bildung und Erziehung (VBE): Auch diese Studie bestätigt, dass die Gesellschaft hohe Erwartungen an die Politik hat, wie die Schulen auf das Thema ‚Bildung in der digitalen Welt‘ vorbereitet werden sollen. Dazu gehören sowohl die sächliche Ausstattung, wie auch die Vorbereitung des Personals. Außer vollmundigen Ankündigungen, siehe DigitalPakt Schule, bleibt die Politik bisher hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück. Digitalisierung ist in aller Munde, verändert unsere Lebens- und Arbeitsgewohnheiten schon heute. Natürlich möchte die Gesellschaft, dass auch die Schule von den neuen Möglichkeiten profitiert. Was die Politik aber momentan treibt, nämlich ständig Erwartungen zu schüren, sich dann aber zurückzulehnen, ist schlichtweg unterlassene Hilfeleistung. Mit ihrem Vorgehen provoziert die Politik geradezu den Unmut zuungunsten der Lehrerschaft“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die Ergebnisse des heute erschienenen ifo-Bildungsbarometers. 

Deutscher Lehrerverband (DL): „In einer Gesellschaft, in der in allen Bereichen digitale Technik Einzug gehalten hat, darf die Schule nicht außen vor bleiben!“ Trotzdem zeigte Meidinger, DL Präsident, Verständnis für die Mehrheit unter den befragten Lehrkräften, die skeptisch sind, ob der Einsatz digitaler Medien automatisch zu mehr Lernerfolg und besseren Lernergebnissen führe. „Die Mehrzahl der bisher vorliegenden Studien zeigt keine bzw. eher geringe Effekte des verstärkten Einsatzes von Computern und digitalen Medien im Unterricht, was den Lernerfolg betrifft. Wir müssen unsere Schüler fit machen im souveränen Umgang mit digitalen Medien, diese sind aber nicht der Nürnberger Trichter, der zu einer Revolutionierung des Lernens führen wird.“, betonte der DL-Präsident Hans Peter Meidinger.
 

 

Von didacta DIGITAL • Bertelsmann Stiftung / VDR / VBE / DL • 18.09.2017

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