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Lehrer und Digitalisierung

„Wir bleiben trotz Digitalisierung Ausbilder der Kinder“

Search Engine Optimizer oder Drohnenpiloten sind Berufe der Zukunft: Darauf müssen Schüler besser vorbereitet werden, ist Michael Cordes, Schulleiter, überzeugt.

didacta: Lehrkräfte sind in 30 Jahren …

Michael Cordes: … immer noch Lernprozessoptimierer der Kinder.

Stellen Sie sich vor, wir befinden uns im Jahr 2047 und Sie haben gerade Unterricht. Was wird der größte Unterschied zum heutigen Lernen sein?

Wir werden eine noch bessere Verfügbarkeit von Lernmaterialien haben, die an die Lebenswelt und individuellen Lernbedürfnisse der Kinder angepasst sind. Kinder werden wir individueller betreuen können, da der Lernprozess transparenter wird. Der Unterricht wird technisch orientiert sein.

Sie haben eine Minute Zeit, vor allen Lehrkräften in Deutschland über den fehlenden Einsatz digitaler Medien zu sprechen. Was sagen Sie Ihnen?

Sie stehen am Anfang einer wichtigen Weiterentwicklung! Die Digitalisierung ermöglicht Ihnen, mehr als Lernbegleiter zu arbeiten. Sie werden weniger Zeit mit Unterrichtsvorbereitung verbringen müssen, sind schneller in der Lage Lehrinhalte an aktuelle Themen anzupassen und werden mehr Zeit haben, sich individuell um Schüler zu kümmern. Lernziele werden sich – außer in Grundschulen – grundlegend ändern. Das Lehren und Lernen wird nicht nur transparenter, flexibler und individueller, es wird auch an diversen Orten und über verschiedene Kommunikationskanäle stattfinden. Ihnen kommt die sehr wichtige Aufgabe zu, ihre Schüler auf eine digitale Welt vorzubereiten, mit all ihren Chancen und Risiken.

Was ist beim Lernen der Zukunft wichtiger, der Lehrer oder der Computer?

Es gibt kein „entweder oder“. Wir müssen aufpassen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht in ein Extrem verfallen. Immer, wenn ein neues pädagogisches Konzept auf den Markt kommt oder en vogue ist, wird plötzlich alles untergeordnet. Digitale Medien sind einfach neue Wege in der Welt des Lernens. Das neue Medium bereichert die klassischen Medien wie Bücher und Blätter, aber verdrängt sie nicht.

Die Bildungsherausforderungen der Zukunft – wo liegen sie?

Wir müssen unsere Kinder auf das Morgen vorbereiten. Kinder brauchen Softskills. Daher müssen wir uns fragen: Was wollen Unternehmen? Die wichtigsten Eigenschaften, die sie fordern, sind unter anderem Konfliktund Teamfähigkeit, kreatives Denken und Kommunikationsfähigkeit. Hierbei müssen wir die Kinder fördern.

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Michael Cordes

ist Schulleiter der Stadtschule Travemünde. In der Grundschule gibt es in jeder Klasse neun Tablets.

Von didacta DIGITAL • Tina Sprung • 12.11.2018

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