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Digitalisierung der Ausbildung

Vom Monteur zum Multitalent

Auch die Berufsbildung verändert sich durch Digitalisierung und Industrie 4.0. Die Arbeitsanforderungen, zum Beispiel in Metall- und Elektroberufen, steigen. Die BANG-Lernfabriken vermitteln daher Kompetenzen, die in der klassischen Ausbildung oft fehlen. Wie, zeigt das Beispiel eines Anlagenmonteurs.

Chengdu: Die neue 40 Meter lange Parkettmontagelinie wird pünktlich aus Deutschland geliefert. Die Firma Parkett Paulsen schickt Pascal Rohm*, der letztes Jahr seine Ausbildung zum Industriemechaniker abgeschlossen hat, für den Aufbau und die Inbetriebnahme der digital gesteuerten Anlage in das Unternehmen nach Westchina. Einen Monteur? Er soll innerhalb von zwei Wochen die gesamte Anlage aufbauen?

Das Beispiel zeigt: Die Arbeitsanforderungen der modernen Anlagenbauer sind in den letzten Jahren rapide gestiegen. Neben den täglichen Veränderungen im Arbeitsumfeld kommen Technologiesprünge hinzu. Eigentlich bräuchten Unternehmen neue Mitarbeiter, um den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt gerecht zu werden. Geeignete Fachkräfte sind jedoch rar, weil es die Schule unzureichend schafft, Jugendliche für eine berufliche Ausbildung zu begeistern. Und, weil die Ausbildungen für neue Berufsbilder zu langsam umgesetzt werden und der Arbeitsmarkt zu spät ausgebildete Fachleute hervorbringt. Viele Unternehmen im Bereich Maschinen- und Anlagenbau haben es daher aufgegeben, am Arbeitsmarkt Mechatroniker zu suchen.

Kompetenzen der Fachkräfte erweitern

In den „BANG Lehrfabriken“ – BANG steht für „Berufliches Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich“ – werden Inhalte vermittelt, um die Einsatzfelder angehender und bestehender Fachkräfte auszubauen. Kleine Lerngruppen bearbeiten dort als Training reale Aufträge möglichst selbstständig. Um die neuen Anforderungen zu erfassen, haben Technologiepartner wie das Sensorikunternehmen ipf und der Hersteller von Automatisierungstechnik Beckhoff Automation und Hochschulen zusammen mit dem Heinz Nixdorf Institut der Uni Paderborn eine „Technologietrendmatrix“ erstellt: In Gesprächen mit Fachleuten einer ausgewählten Branche, die besondere Bedeutung für die Region Ostwestfalen hat – beispielsweise aus dem Bereich Maschinen- und Anlagenbau – wurden die beruflichen Trends abgefragt und in der Matrix abgebildet. Die Befragung hat dabei folgende Bedarfe an Lerninhalten hervorgebracht, die in der herkömmlichen Ausbildung nicht oder nur teilweise abgebildet werden:

»» Wartungsunterweisungen

»» Verschleißteilaustausch

»» Getriebetechnik

»» Verständnis von Baugruppentechnik

»» Grundlagen der Elektronik, Antriebe und Motoren

»» Steuerungstechnik

»» systematische Fehlersuche

Diese Kenntnisse und Bausteine werden neben den klassischen Lerninhalten der Mechatroniker-Ausbildung in der Lehrfabrik vermittelt. Dadurch lernen Monteure, sich sowohl im Bereich des Maschinenbetriebs, als auch in den Feldern der Inbetriebnahme und Wartungstechnik zu bewegen. Mittelständische Unternehmen erhalten durch die Lernfabrik außerdem eine Testumgebung für neue Lernwege, -inhalte und -methoden.

Zurück zur Firma Parkett Paulsen. Pascal Rohm hat in einem speziell auf die Firma zugeschnittenen Programm, parallel zur Ausbildung, einen Zusatzlehrgang von sechs mal sieben Arbeitstage in der Lernumgebung der Lehrfabrik durchlaufen. Er kann nun die Anlage aufbauen und in Betrieb nehmen. Weitere Fragen oder aufkommende Probleme können per Tablet direkt mit der Montageleitung in Deutschland besprochen werden. Hilfestellung kann per Augmented Reality gegeben werden.

* Name von der Redaktion geändert.

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Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS - das didacta Magazin für berufliche Bildung, 2/2019 • 23.05.2019

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