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Ausbildung und Digitalisierung

"Schulen bereiten nicht auf die digitale Arbeitswelt vor"

Wie sind Azubis heute für eine digitalisierte Arbeitswelt gerüstet? Und was müssen Unternehmen und Ausbilder tun, um sie gut darauf vorzubereiten? Edeka-Vorstand Martin Scholvin im Interview.

Wie werden in Ihrem Unternehmen Auszubildende auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet?

Im Schulungsbereich setzen wir verstärkt auf den Einsatz von E-Learning-Modulen und auf Blended Learning-Konzepte. Zudem haben wir eine eigene Quiz-App ins Leben gerufen, die in die Seminarabläufe integriert ist, und unterstützen den Nachwuchs durch Schulungen an modernen Warenwirtschaftssystemen vor Ort. Diese Angebote gelten aber nicht nur für unsere Auszubildenden, sondern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unser Online-Schulungstool, das Wissensportal, verfügt aktuell über 12 000 Lernminuten. Mehr als eine Million Kurse zu unterschiedlichen Themen werden hier jährlich von den Mitarbeitern absolviert.

didacta DIGITAL: Was sind die größten Veränderungen, die die Digitalisierung in der beruflichen Bildung mit sich bringt?

Martin Scholvin: Die Auszubildenden stehen heute insbesondere vor der Herausforderung, die hohe Informationsdichte und den schnellen technischen Wandel zu verarbeiten und umzusetzen. So etabliert sich immer mehr der Ansatz des „Learning on demand“, also Lernen nach Bedarf statt Lernen auf Vorrat. Auch eine steigende Medienkompetenz gewinnt laufend an Bedeutung, sodass in Summe und aufgrund der Informationsflut neue Lehr- und Lernmethoden zwingend notwendig sind.

Sehen Sie die heutigen Auszubildenden durch die Schule ausreichend auf eine digitale Arbeitswelt vorbereitet?

Eindeutig nein. In den Schulen fehlt es unserer Erfahrung nach häufig an methodischen und didaktischen Konzepten sowie an entsprechenden Lehrerfortbildungen. Gleiches gilt leider auch oft für eine funktionale Hardware-Ausstattung und eine vernünftige Leitungsgeschwindigkeit.

Sollte es ein Pflichtfach Informatik oder Medienkompetenz geben, um Schüler auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vorzubereiten?

Insbesondere das Fach „Medienkompetenz“ oder wenigstens die zeitlich ausreichende, feste Verankerung in den Rahmenlehrplänen anderer Fächer ist zwingend notwendig und längst überfällig.

Welche Herausforderungen bringt die digitale Ausbildung für die Ausbilder mit?

Ausbilder müssen sich auf ganz andere Lernarten und Lernmotivation einstellen, sie werden immer mehr zum Lernbegleiter. Die digitale Ausbildung mit Konzepten wie „Learning on demand“ oder „Bring your own device“ werden das Lernen von morgen massiv verändern und verlangen auch von den Ausbildern andere Inhalte, Herangehensweisen und Kompetenzen.

Martin Scholvin

ist Vorstand für Personal und Finanzen der Edeka AG.

Von didacta DIGITAL • Bildungspraxis • 05.04.2018

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