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Unterrichtsmethode

Minecraft im Unterricht: Spielend die Welt der Chemie verstehen lernen

Schüler tauschen Protonen untereinander aus, bauen Atome nach: Mirek Hancl setzt im Chemieunterricht auf das Computerspiel Minecraft.

Manche Schüler der 9. Klasse „hamstern“ im Chemieunterricht und sammeln alle Protonen ein. Sie spielen Minecraft im Computerraum, ihre virtuellen Figuren, sogenannte Avatare, stehen vor vier Truhen, die mit einem Bilderrahmen beschriftet sind: Protonen, Neutronen, Elektronen und zusätzlich eine Atombauwerkbank. Die Spieler können mit ihren Avataren die diversen Teile für den Bau eines Atoms herausnehmen. Ihr Thema: sie stellen Atome her und tauchen so in die Welt der Chemie ein. Zu Beginn nehmen sich manche der Minecraft-Spieler viele Protonen, wollen die komplizierten radioaktiven Isotope Plutonium und Uran nachbauen. „Aber sie lernen schnell, dass sie besser mit einfachen Wasserstoff-Verbindungen beginnen“, sagt ihr Chemielehrer Mirek Hancl schmunzelnd. „Wenn sich die Schüler dann im Unterricht zuschreien: ,Gib mal ein Proton her‘, sieht man, wie sie sich die bunten Teilchen virtuell zuschmeißen.“

Kollabo­ratives und ko-­konstruktives Lernen setze ich um, wenn ich Minecraft als Lernwelt in den Unterricht einbeziehe.

Mirek Hancl

Mirek Hancl setzt seit fünf Jahren die Welt von Minecraft im Chemieunterricht ein. Er unterrichtet am Lessing-Gymnasium Uelzen Chemie und Informatik und erinnert sich an die Anfänge: „Ein Schüler in der Arbeitsgemeinschaft Informatik hat mich auf die Idee gebracht. Er hat sich ein Youtube-Video angesehen, bei dem ein Spieler in dem Spiel Minecraft ein Schwein gejagt hat. Man sah ihn aus der Ich-Perspektive, wie er mit einem Schwert versuchte, das Tier zu töten“, erzählt der 38-Jährige. Er verbot das Spiel – bis die Schüler ihn mit Vorträgen in den virtuellen Spielewelten überzeugten. Sie zeigten, wie man in dem Spiel virtuelle Stromkreise baut. „Das war wahnsinnig beeindruckend. Ich beschäftigte mich mit dem Computerspiel und merkte, dass es sinnvoll ist, es einzusetzen“, sagt Hancl. Er fängt an, selbst Welten zu gestalten. Bei Minecraft können die Avatare Rohstoffe sammeln und zu Gegenständen verarbeiten. Hancl nutzt das Prinzip: Durch Modifikationen – sogenannte Mods –, die er am Wochenende auch selbst programmiert, legt er die Welt von Minecraft so an, dass die Rohstoffe beispielsweise Atomteile sind. Die Idee dahinter: Die jungen Spieler müssen sie zu Atomen zusammenbauen und lernen dabei, wie die Welt der Chemie funktioniert.

Education Edition

Speziell für Lehrkräfte, die Minecraft noch nicht kennen, gibt es eine Minecraft Education Edition. Diese bietet folgende Vorteile:

  • In einem speziellen Tutorium wird Lehrern das Spiel erklärt. Schüler können alle gemeinsam in einer Welt spielen, ohne dass ein Server für Minecraft benötigt wird.
  • Die Education Edition verfügt über ein sicheres Schüler-Login. Lehrkräfte können überwachen, wie die Minecraft-Spieler in den Welten arbeiten. Die Spieler können ihre Fortschritte in den Lernwelten mit Bildaufnahmen festhalten.
  • Es stehen vorgefertigte Welten für Mathematik, Technik, Geschichte, Sprachen, Kunst oder Wissenschaft zur Verfügung. Um das Spiel  kennenzulernen, gibt es eine Test-Version. Danach kostet das Spiel pro Schüler 5 US-Dollar.

Das Spiel an sich wirkt abstrakt – es geht darum, Klötzchen zusammenzubauen, die Grafik erinnert an die Spiele der 90er-Jahre. Bei Mirek Hancl wird Minecraft regelmäßig in der 9. Jahrgangsstufe eingesetzt. Das erste Mal schon in der 6. Klasse mit dem Rollenspiel Tracecraft. Jeder Schüler bekommt beim Spiel eine Rolle zugewiesen. Es gibt auch Spione. Was sie nicht wissen, ist, dass alle Aktionen erfasst und Screenshots gemacht werden. Im Anschluss an das Spiel wird diskutiert, wer der Spion war. Denn es geht hier darum, Medienkompetenz zu vermitteln. „So wie im echten Leben. In sozialen Netzwerken wird ebenso alles aufgezeichnet, gespeichert“, erklärt Hancl. „Die Schüler sollen erkennen, dass sie genau überlegen sollen, was sie schreiben.“ Lernen die Schüler dadurch anders? Ja, sagt Hancl. Er fungiert nicht als Lehrer, der vor der Klasse steht und Wissen weitergibt. Er lässt sie in den virtuellen Welten spielen, „machen“. Als Lehrer sieht er, wie die Avatare miteinander agieren und sich die Elektronen zuwerfen. „Kollaboratives und ko-konstruktives Lernen setze ich um, wenn ich Minecraft als Lernwelt in den Unterricht einbeziehe. Meine Unterrichtsfächer leben von Theorie und Praxis, von Modell und Wirklichkeit. Somit regt das Spiel auch das ganzheitliche Denken an.“

Bei den Schülern kommt der ungewöhnliche Unterricht gut an. „Auch, wenn die Älteren das anfangs befremdlich fanden, dass wir Spiele wie Minecraft zielgerichtet im Unterricht einsetzen sollen. Es ist Alltag der Kinder und Jugendlichen und motiviert sie“, erzählt Hancl. Er hofft zudem, dass bei den Schülern das Interesse am Thema MINT geweckt wird. Hancl betreut auch die Arbeitsgemeinschaft Informatik an der Schule. Ein Viertel davon sind Mädchen. „Schüler für MINT begeistern – allein deswegen sollten Lehrkräfte Spiele im Unterricht einsetzen“, ist der Chemielehrer überzeugt, der auch Lehrerfortbildungen zu diesem Thema anbietet. „Ich werde immer nach Anleitungen und Vorlagen gefragt. Das ist schwierig, denn es gibt keinen einheitlichen Weg. Man muss es einfach machen.“

https://www.youtube.com/watch?v=fPDuxLPdcI4

Mirek Hancl erzählt auf dem NLQ Landesforum 2015, wie er Minecraft im Unterricht einsetzt.

Von didacta DIGITAL • Tina Sprung • 13.06.2019

Minecraft - das Spiel

Minecraft ist das weltweit am meisten verkaufte PC-Spiel. Mehr als 100 Millionen Mal wurde es verkauft. Der schwedische Programmierer Markus "Notch" Persson hat es entwickelt und durch seine Firma Mojang am 17. Mai 2009 auf den Markt gebracht. 2014 verkaufte er das Unternehmen an den Microsoft-Konzern. Das Spiel wird bis heute von Mojang weiterentwickelt.

Minecraft - technische Voraussetzungen

Das Spiel läuft auf Windows, Mac, Linux und Windows 10. Außerdem auf den Spielekonsolen Xbox One, Xbox 360, PlayStation 4, PlayStation 3, Playstation Vita, Wii U, Switch, New 3DS. Minecraft läuft auch auf den Betriebssystemen iOS und Android sowie auf Windows Phone, Kindle Fire, Gear VR - Samsung Geräten sowie auf Apple TV und Fire TV zusammen mit einem entsprechenden Game Controller.

Detaillierte Infos zu den technischen Anforderungen und Downloads auf: https://www.minecraft.net/de-de/store/
 

Viele nützliche Informationen

darüber, welche Minecraft-Editionen weiterentwickelt werden, welche vielfältigen Spielmöglichkeiten in Minecraft stecken, weiterführende technische Tipps und Links findet man auf https://minecraft-de.gamepedia.com/Minecraft_Wiki

Minecraft Education Edition

Die Minecraft Education Edition entstand aus der MinecraftEdu, die 2011 von Lehrern speziell für den Unterricht erstellt wurde. Seit 2016 entwickelte Miocrosoft daraus die Minecraft Education Edition. Sie ist in elf Sprachen verfügbar. Für Lehrer gibt es eine kostenlose Demo-Version.

Infos zu Features und  technischen Voraussetzungen sowie Download auf https://minecrafteducation.zendesk.com/hc/en-us/sections/360000298067-FAQ

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