© Amat/Shutterstock
Lehrkräfte der Zukunft

Lehrkräfte im Umbruch

Digitalisierung, Inklusion, Integration: Lehrerinnen und Lehrer stehen vor immer neuen Herausforderungen. Mit welchen Ansätzen lassen sich steigende Anforderungen bewältigen?

Der Lehrberuf gehört zu den Tätigkeiten mit dem höchsten Ansehen, so das Ergebnis einer Bürgerbefragung des Meinungsforschungsinstituts forsa. Lehrerinnen und Lehrer gelten als pflicht- und verantwortungsbewusst, zuverlässig und kompetent. Angesichts immer vielschichtigerer sozialer, kultureller und methodischer Anforderungen fühlen sich jedoch viele Lehrkräfte überfordert und allein gelassen. Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) unter rheinland-pfälzischen Lehrkräften gaben fast 75 Prozent der Befragten an, ihre außerunterrichtliche Arbeit habe in den letzten Jahren viel oder sehr viel zugenommen. Die GEW sieht die Gesundheit der Lehrer, aber auch die Unterrichtsqualität gefährdet. Neben geringeren Stundendeputaten und kleineren Klassen fordert sie mehr Stellen für Schulsozialarbeiter.

Ein Team, viele Qualifikationen

Denn multiprofessionelle Teams gelten vielen als wirksames Mittel, neue schulische Herausforderungen zu bewältigen. „Wenn wir immer mehr Erziehungsaufgaben im schulischen Setting wahrnehmen und umsetzen wollen, dann hat die Schule der Zukunft multiprofessionelle Teams, in denen Lehrkräfte bilden und erziehen“, meint Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Dabei arbeiten Lehrkräfte mit Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Integrationshelfern sowie Lern- und Physiotherapeuten eng zusammen, sodass eine Arbeitsteilung nach Kompetenzen entsteht. Lehrer sollen so entlastet und die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden. Voraussetzung für diese Art der Zusammenarbeit sind laut dem Verband Bildung und Erziehung jedoch genügend „Zeit und Ressourcen für gemeinsame Planung und Arbeit“.

Heterogene Grundschulklassen

Bereits in Kitas und Grundschulen könnte das Konzept von Nutzen sein. Dort zeigen sich früh die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder. Dem aktuellen IQB-Bildungstrend zufolge stellen für Grundschulen vor allem Inklusion und Integration eine große Herausforderung dar. Schaut man auf das Jahr 2016, ist die Zahl der Kinder mit Zuwanderungshintergrund im Vergleich zu 2011 um mehr als ein Drittel gestiegen. „Lehrkräfte haben es jetzt mit einer extrem heterogenen Schülerschaft zu tun“, betont IQB-Direktorin Petra Stanat. „Es ist äußerst anspruchsvoll, Unterricht so zu gestalten, dass Kinder mit unterschiedlichen kognitiven und sprachlichen Voraussetzungen und unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gleichermaßen profitieren.“ Bei Inklusion und Integration ist fachspezifisches Personal dringend nötig, um Kinder mit besonderem Bedarf zu unterstützen und so einen geregelten Schulalltag für alle Schüler zu schaffen.

In der Lehrerbildung ansetzen

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe fordert, dass die Lehrerausbildung verstärkt auf den Umgang mit einer sehr heterogenen Schülerschaft vorbereiten soll. Doch die unterschiedlichen Lehramtsstudiengänge in den Bundesländern machen umfassende Veränderungen schwierig. BLLV-Präsidentin Fleischmann spricht von einem „Reformstau“. Eine weitere Hürde sind der Einsatz digitaler Lernmittel und die Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht. Hier fehlen vielen Lehrkräften sowohl das nötige Know-how als auch die technischen Mittel. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur IT-Ausstattung im Bildungswesen werden für eine „lernförderliche Infrastruktur“ bundesweit jährlich 2,8 Milliarden Euro benötigt. Hinzuzurechnen sind die Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen. Das Bundesbildungsministerium hatte im Oktober 2016 mit dem „DigitalPakt#D“ lediglich eine Milliarde jährlicher Investitionen angekündigt. Der Pakt zwischen Bund und Ländern soll für fünf Jahre abgeschlossen werden. Die tatsächliche Höhe der Förderung und wann sie den Ländern zur Verfügung stehen könnte, ist nun Gegenstand der Koalitionsverhandlungen einer neuen Bundesregierung. Trotz all der Herausforderungen sieht Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands, der Zukunft von Lehrern und Schule positiv entgegen: „Lehrkräfte sind und bleiben fachliche Spezialisten und entscheiden sich bewusst für ihre Fächer und die Schulart. Diese Begeisterung überträgt sich auch auf die Schüler und führt letztlich zu einer besseren Schule“.

Vom 20. bis 24. Februar 2018 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Hannover zusammen. Diese Veranstaltungen könnten Sie interessieren:

Forum didacta aktuell
Lehrkräftemangel - Attraktivität des Berufs erhöhen jetzt!
Mögliche Lösungen für mehr Personal und Wege zur Steigerung der Attraktivität des Berufs diskutiert die im September 2017 neugewählte GEW Landesvorsitzende Laura Pooth mit dem seit November 2017 im Amt befindlichen Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).
Mittwoch, 21. Februar 2018
14:00 - 14:45 Uhr
Veranstalter: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Forum didacta aktuell
Bündnis frühkindliche Bildung: Zwischen Beschäftigungsrekord und Fachkräftemangel – dem Phänomen in Kitas endlich wirkungsvoll begegnen
Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband e.V.
Prof. Dr. Stefan Sell, Hochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen
Moderation: Sonja Ritter, Didacta Verband e.V.
Donnerstag, 22. Februar 2018 15:00 - 15:45 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

Forum Bildung
Traumjob Schule: Wie wird der Lehrberuf wieder attraktiver?
Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung der Freien und Hansestadt Hamburg
Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Kultusminister (angefragt)
Freitag, 23. Februar 2018 11.00 - 12.00 Uhr
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2018 finden Sie unter www.didacta-hannover.de und www.facebook.com/didacta.bildungsmesse.

Von didacta DIGITAL • Sandra Georg, didacta Themendienst • 24.01.2018

Partner

eMag didacta DIGITAL