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Umfrage Einsatz digitaler Medien

Lehrerumfrage: Geteilte Meinung bei negativen Lerneffekten

Die Digitalisierung ist heute allgegenwärtig, egal ob in der Schule, dem Studium oder dem Beruf. Zeit, einen Blick in die Schulen zu werfen und über 5000 Lehrer nach ihrer Meinung zu fragen. Halten sie die Digitalisierung des Unterrichts für sinnvoll? Wie gut sind die Schulen für den Einsatz digitaler Medien ausgestattet? Und vor allem: Welche Chancen und Risiken bringt die Digitalisierung mit sich? Diesen und weiteren Fragen ist der STARK Verlag in seiner Lehrerumfrage nachgegangen.

Beamer, digitale Tafeln, PC’s, Tablets und Dokumentenkameras: über 96% der Befragten gaben an, dass sie im Unterricht die Möglichkeit haben, digitale Medien anzuwenden. Doch viele Lehrer beklagen, dass die Ressourcen, beispielsweise die Arbeitsplätze in den Computerkabinetten, für die großen Schülerzahlen nicht ausreichen und die Funktionsweise der vorhandenen Ausstattung zu wünschen übrig lässt. Gründe dafür sind die veraltete Technik und die fehlende Wartung und Betreuung durch einen Mangel an Fachpersonal. Nicht selten müssen die Lehrer ihre privaten Geräte einsetzen oder die Geräte selber reparieren. Während einzelne Schulen bereits WLAN-Zugänge haben, kämpfen andere mit einem instabilen und zu langsamen Netz. Dem soll nun Schritt für Schritt Abhilfe geschaffen werden: einige der befragten Lehrer gaben an, dass an ihrer Schule für die nächsten Jahre eine Erweiterung des Netzes und eine Erneuerung der Technik durch Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen geplant sei. Denn ohne eine solide Grundausstattung ist die geplante Digitalisierung an deutschen Schulen nicht umsetzbar.

 

Digitale Medien unterstützen beim Lernen

Fast 97% der befragten Lehrer unter dreißig Jahren halten die Digitalisierung des Unterrichts für wichtig. Zwischen 85 und 88 Prozent der anderen Altersgruppen befürworten die Digitalisierung ebenfalls. Als Grund gaben die Befragten an, dass die Verwendung digitaler Medien zwingend notwendig ist im Hinblick auf die Zukunft der Schüler. Die Schule und der Unterricht müssen auf das Studium und das bevorstehende Arbeitsleben vorbereiten und die wichtigsten Grundlagen vermitteln. Dazu gehört in der heutigen Zeit auch der Umgang mit digitalen Medien. Dazu setzt die Mehrheit der Lehrer regelmäßig digitale Medien ein. 24,6% von ihnen täglich, 30% mehrmals wöchentlich. Knapp 80% nutzen sie für Recherchearbeiten und zur anschaulichen Erklärungen des Lernstoffes durch Videos. 59,4% verwenden die Medien zur Erstellung von Präsentationen und Videos, während nur 18,3% Lern-Apps in den Unterricht integrieren. Durch den Medieneinsatz erwarten 53,3% der Befragten, dass das proaktive Lernen gesteigert werden kann. Die überwiegende Mehrheit der Lehrer denkt außerdem, dass digitale Medien beim Verstehen von Lerninhalten helfen und die Schüler besser mitarbeiten. Vor allem die unter Dreißigjährigen sind von einer Schüleraktivierung (91,7%) überzeugt. Lediglich 18,5 Prozent aller Befragten glauben, dass durch das Lernen mit digitalen Medien Lerninhalte besser im Gedächtnis bleiben.

 

Eltern müssen ihre Kinder auf den Umgang mit Medien vorbereiten

Die Mehrheit der Lehrer fühlt sich fit im Umgang mit digitalen Medien, wobei diese Einschätzung mit steigendem Alter abnimmt. Tendenziell fühlen sich Männer fitter als Frauen. Trotz ihrer eigenen Einschätzung wären über 80% der Befragten bereit an speziellen Schulungsangeboten teilzunehmen. Diese sollten dabei nicht nur auf ihre eigenen Fächer abgestimmt sein, sondern auch auf die vorhandene Technik in ihrer Schule. Einigkeit herrscht bei 94,5% der Lehrer darüber, dass auch Kinder und Jugendliche in der Anwendung von sozialen Medien geschult werden müssen. Hier überwiegt die Meinung, dass die Schüler zwar die für sie wichtigen Funktionen der digitalen Medien nutzen, aber ihnen andere wichtige Schlüsselqualifikationen fehlen. So gaben viele der befragten Lehrer an, dass wichtige Grundkenntnisse im Bereich Textverarbeitung und Office-Anwendungen nicht vorhanden sind. Auch die Kontrolle von Quellen und Recherche-Ergebnissen auf Qualität und Vertrauenswürdigkeit rückt immer weiter in den Hintergrund. Die Lehrer sehen hier vor allem die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder über Datenschutz, Sicherheit im Internet und Cybermobbing aufzuklären. Besonders der selbstkritische Umgang mit den Medien muss ihnen vermittelt werden.

 

Lehrer sorgen sich um analoge Fähigkeiten

Geteilte Meinung herrscht bei den Lehrern beim Auftreten von negativen Lerneffekten. Etwas mehr als zwei Drittel (70,1%) sind der Ansicht, dass der Einsatz digitaler Medien negative Lerneffekte, wie Merk- und Konzentrationsschwächen, begünstigt. Weitere Risiken sehen sie in der Ablenkung von Lerninhalten und der Oberflächlichkeit der Medien. Ein Großteil der Lehrer warnt davor, dass Kulturtechniken, wie Lesen und Rechnen sowie motorische Fähigkeiten, wie das Schreiben, vernachlässigt werden. Durch die viele Zeit am Bildschirm befürchten einige der Lehrer zudem eine Reizüberflutung und ein gewisses Suchtpotential.

 

Digitale Medien fördern die Motivation

Die Lehrer sehen aber nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen der Digitalisierung. So begrüßt die Mehrheit die bessere Visualisierung und Veranschaulichung von Lerninhalten und Unterrichtsmaterialien sowie die Nähe zum Medien-Alltag der Schüler. Die Medien können nicht nur bei der gezielten Informationsaufnahme helfen, sondern steigern zusätzlich die Motivation. Der schnellere Zugriff auf Inhalte lockert den Unterricht auf und schafft ein vielfältigeres und aktuelleres Angebot an Themen. Positiv heben die Lehrer eine verantwortungsbewusste und kritische Medienkompetenz hervor, die die Schülern durch den Umgang mit den digitalen Medien erlernen. Sie sprechen sich außerdem für einen sinnvollen Einsatz digitaler Medien aus, wenn ein Mehrwert für den Unterricht zu erkennen ist und sie den Umfang der Nutzung steuern können.

Von didacta DIGITAL • Stark-Verlag • 12.03.2018

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