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Nachhilfe per Video

Einfach mal machen - Start-up gründen

Um ein Start-up zu gründen, braucht man Durchhaltevermögen. „Und ein bisschen jugendlicher Leichtsinn schadet auch nicht“, sagt Studyhelp-Gründer Daniel Weiner. Ein Erfahrungsbericht.

Bewertung der Geschäftsidee? Markt­analyse? Business Model Canvas? Damals waren das Fremdwör­ter. „Einfach mal machen“, dachte ich mir. Wie ich es geschafft habe, ein Start-up vor vier Jahren aus dem Boden zu stampfen, ist mir heute ein Rät­sel. Vermutlich war es mein jugendlicher Leichtsinn, gepaart mit Phasen unglaubli­chen Arbeitseifers, der mich packt, wenn ich mich komplett entfalten kann, ohne dass jemand auf die Bremse drückt.

Vom Nachhilfe-Lehrer zum Start-up-Gründer

Da meine Noten im Studium in Paderborn passabel waren, hatte ich 2012 begonnen, als Tutor im Fach Technische Mechanik zu arbeiten. Als ich in der Materie immer fitter wurde, passierte etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte: Immer mehr Studenten kamen in mein Tutorium. Nachdem ich ein Jahr lang Einzelnachhilfe gegeben hatte, kam mir schließlich meine Start-up-Idee: Wieso als Student teure Einzel­nachhilfe nehmen, anstatt sich einmal vor den Klausuren alles in einem Crashkurs reinzuhauen?

Gesagt, getan: Ich wollte Kurse zur Nach­hilfe anbieten. Ich klärte zunächst grund­legende Fragen: Welche Kurse biete ich an? Was kann ich noch? Über Facebook versuchte ich, möglichst viele Studenten zu erreichen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Namen. Und was passt für eine Leis­tung von Studenten für Studenten besser als „StudyHelp“?

 Für die Umsetzung meiner Idee brauchte ich noch jemanden, der mir hilft. Bald kam mir mein Kommilitone Carlo Oberkönig in den Sinn. Auf einer Uniparty – das war 2013 – konnte ich nicht nur Carlo als Mit­gründer, sondern einen weiteren Kumpel als Statistikdozent gewinnen, der die ers­ten Kurse gab. Es wurde nicht nur Ernst, sondern jetzt auch höchste Zeit für eine eigene Homepage. Diese sollte die Anmeldung und die Zahlungsabwicklung – die Preise lagen damals bei 15 bis 20 Euro pro Teil­nehmer – erleichtern. Unsere ersten Kurse buchten über 500 Studenten.

Abikurse zum Crashen

Nach den erfolgreichen Kursen und der Erstellung der Website, arbeiteten wir weiter an unserer Idee. Als ich meinem Neffen in Mathe half, kam mir der nächste Gedanke: Warum nicht auch Abi-Vorbereitungskurse für Schüler? Nicht wöchentlich, nicht mit Vertragsbindung über Monate. Einfach und unkompliziert. Genau dann, wenn der Schmerz am Größ­ten ist. Und zwar kurz vor den Prüfungen. Nachdem wir einen Abiturvorberei­tungskurs gemacht hat­ten, wussten wir: Die Idee läuft, wir wollen es in anderen Städten anbieten.

Die Vorbereitungen für die Abiturvorberei­tungskurse in ganz Deutschland begannen 2014 richtig. Wir suchten Kursmanager, die vor Ort bei der Organisation helfen. Die Manager für die neuen Standorte „schossen“ uns wie am Fließband immer mehr potenzielle Dozenten und Räume für immer mehr Standorte zu. Das Resultat: 25 Studyhelp-Standorte in fünf verschiede­nen Bundesländern. Wir fuhren zu jedem einzelnen Standort. Nach hunderten Kilo­metern und interessanten Gesprächen mit Schülern und Dozenten sollte uns eine Situation in Weingarten in Baden-Württemberg in Erinnerung bleiben: Wir wollten ein kurzes Feedback einholen und fragten in die Runde, wie sie den Verlauf der bisherigen Veranstaltung samt Dozen­ten fänden. Es dauerte keine zwei Sekun­den, bis der gesamte Kurs auf den Beinen stand und uns eine Standing Ovation gab. Gänsehaut.

Vier Jahre nach Gründung: „Wir machen einfach mal weiter“

Seit der Gründung konnten wir viel errei­chen. Doch man muss sich bewusst sein, dass ein Leben als Gründer ein Leben vol­ler Kompromisse ist: wenig Freizeit, hohes finanzielles Risiko und Mitmenschen, die unentwegt versuchen, einem den Grün­derteufel auszutreiben. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte den Schritt wagen. Was die Zukunft für Studyhelp mit sich bringen wird, können wir sagen: Wir wollen das größte Bildungsunternehmen in Deutschland werden. Wir machen einfach mal weiter.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine leicht bearbeitete und gekürzte Version des Gründertagebuches der Internetseite www.gruenderszene.de.

Von didacta DIGITAL • Daniel Weiner • 13.10.2017

 

 

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