© Frank Hempel / www.du-doof.org
Cybermobbing

Du Doof?! - Cybermobbing in der Schule vorbeugen

Mobbing hinterlässt bei den Opfern tiefe Spuren. Moderator und Schauspieler Tom Lehel engagiert sich mit der Stiftung "Du Doof?!" für ein achtsames Miteinander in der Schule.

didacta: Letztes Jahr haben Sie die Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!“ gegründet und das Projekt „Du Doof?!“ für Aufklärung und Prävention gegen Mobbing und Cybermobbing gestartet. Was war der Anlass für dieses Engagement?

Tom Lehel: Auslöser waren meine persönlichen  Erfahrungen  mit  Mobbing  während meiner Schulzeit. Als 10-Jähriger war mir bei einem Achterbahnunfall die rechte Hand fast abgetrennt  worden.  Durch  die Verletzung war ich stark eingeschränkt und litt deshalb unter vielen Hänseleien. Vor einigen Jahren terrorisierte außerdem ein Mitschüler meinen 11-jährigen Sohn und dessen ganze Klasse. Ich suchte das Gespräch mit den Lehrern. Dabei stellte ich fest, dass sie die Mechanismen von Mobbing nicht kennen und völlig überfordert waren. Sie wussten nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollten. Damals entstand die Idee, präventiv dagegen vorzugehen.

Wie genau?

Wir wollen das Projekt und das Thema bekannt machen. Dafür gebe ich Lesungen aus meinem Buch „Du Doof?!“ und erzähle  meine eigene Mobbing-Geschichte. Ich gebe Tipps, wie man Mobbing verhindert und dagegen vorgeht. Mit dem „Du Doof?!“-Programm gehen wir auch direkt in die Schulen.  Wir gestalten einen Aktionstag für Schüler und Lehrer – mit mir oder einem anderen Prominenten,  wie  beispielsweise  Sebastian Krumbiegel (Anm. der Redaktion: Sänger der Prinzen). Da stellen wir das Programm vor, unterhalten uns mit den Kindern über das Thema, machen Spiele und erzählen Geschichten über unsere eigenen Erlebnisse. Mit dem pädagogischen Tag vertiefen wir das Thema im Lehrerkollegium. Bei Bedarf gibt es einen zusätzlichen Vertiefungstag und weiterführende Seminare.

Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Wir wollen mit unserem Projekt Schul-Gemeinschaften schaffen, in der Lehrer und Schüler sich gegenseitig vertrauen und gemeinsam an diesem Problem arbeiten. Es ist wichtig, Mobbing den Nährboden von vornherein zu entziehen. Denn wenn Mobbing einmal stattgefunden hat, ist bereits Schaden angerichtet. Das lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Es geht darum, jeden Tag achtsam miteinander umzugehen.

Das gilt auch im Internet. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Cybermobbing?

Cybermobbing ist weit verbreitet und noch einen Stufe härter als das „normale“ Mobbing. Denn im Netz kann ich anonym bleiben. Die gemobbte Person weiß nicht, wer hinter den Anschuldigungen steckt und kann sich nicht wehren. Ich sage den Kindern immer wieder: Alles, was gepostet wurde, bleibt im Netz und ist nicht mehr löschbar. Wenn ihr später im Berufsleben seid, kann der Chef eure Posts sehen, also seid vorsichtig. So verstehen die Kinder schnell, was ich meine.

Wie sollten Kinder handeln, wenn sie Opfer werden?

Wichtig ist vor allem, dass sich die Kinder nicht verunsichern lassen und denken, etwas an ihnen wäre falsch. Sie sollten sich Verbündete in der Klasse suchen und mit ihren Eltern und Lehrern über die Mobbing-Attacken sprechen. Wenn Mitschüler mobben, hilft es oft schon, nicht mehr „bitte“ zu sagen, sondern eine klare Ansage zu machen und „stopp“ zu sagen.

Für welche Jahrgangsstufen eignet sich Ihr Programm?

Mobbing beginnt bereits ab dem letzten Kita-Jahr und manifestiert sich dann in der Grundschule. Gemobbt wird in großem Maßstab vor allem ab der fünften Klasse in den weiterführenden Schulen. Um das von vornherein zu unterbinden, arbeiten wir vor allem mit Schülern der dritten und vierten Klassen. Meine Hoffnung ist es, Kinder für das Thema Mobbing so zu sensibilisieren, dass sie Mobbern aktiv entgegentreten und Verantwortung übernehmen. Denn als Prominenter, zu dem die Kinder hochsehen, habe ich Verantwortung.

© Martin Glahn

Tom Lehel

ist Schauspieler, Entertainer und Buchautor. Der Gründer der Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!“ setzt mit dem Projekt „Du Doof?!“ auf Aufklärung und Prävention gegen Mobbing und Cybermobbing.

Von didacta DIGITAL • Erstveröffentlichung: didacta - Das Magazin für lebenslanges Lernen 03/2019 • 16.08.2019

Termine von Lesungen von Tom Lehel:

ab Oktober 2019 bundesweit in Hallen für Kinder aus nahegelegenen Grundschulen.

Der Titel des Events: "Wir wollen Mobbingfrei"- das Anti-Mobbing-Event für Schüler von der 2. bis zur 5. Klasse.

Die Lesungen sind sponsorengestützt, der Überschuss kommt der Stiftung "Du Doof?!" zugute. Durch die Lesungen soll das Thema Cybermobbing bekannter werden.

Im Herbst erscheint das zweite Buch zu Du Doof?! mit dem Titel "Wir wollen Mobbingfrei".

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