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Trends

Digitale Schule: Das sind die Trends 2018

Die Digitalisierung des deutschen Schulwesens macht Fortschritte: Das liegt weniger an neuen Technologien als an einem landesweiten Gesamtkonzept. Aber wo stehen wir genau und welche Entwicklungen sind im Jahr 2018 zu erwarten? Wir werfen einen Blick darauf.

Tschechien hat seines bereits 2007 erarbeitet, Deutschland erst 2016: das erste nationale Rahmenkonzept für die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen. Es ist ein wesentlicher Schritt hin zur Modernisierung des Bildungswesens und der Grundstein für die kommenden Jahre der digitalen Schulentwicklung.

Das Rahmenkonzept basiert auf den Strategiepapieren "Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie "Bildung in einer digitalen Welt" der Kultusministerkonferenz, das erst im Dezember 2017 durch ein weiteres Kapitel ergänzt wurde. Wichtig ist auch die im "DigitalPakt Schule" in Aussicht gestellte Mitfinanzierung des Bundes, durch die die Länder entlastet würden. Die Ziele sind ambitioniert: Die KMK-Strategie soll bereits mit Beginn des Schuljahres 2018/2019 verpflichtend sein und der DigitalPakt ab 2018 greifen.

Der Kompass ist ausgerichtet

Wie soll das schulische Lernen mit digitalen Medien gestaltet werden? Welche IT-Infrastruktur braucht es? Und wie sehen Lehrerausbildung und Curricula aus? Diese Fragen klären die Strategien erstmals länderübergreifend und versehen sie mit verbindlichen Zielen.

Beispielsweise sind konkrete Lehrinhalte definiert: Lehrer unterrichten die Kinder in sechs Kompetenzen, darunter "Kommunizieren und Kooperieren" oder "Schützen und sicher Agieren". So erlernen Schüler Verhaltensregeln im digitalen Raum, die effiziente Teamarbeit mit Medien oder erfahren wie sie ihre persönlichen Daten schützen.

Gleichermaßen umreist das Strategie-Papier die erforderlichen Fertigkeiten der Lehrkräfte und auch, wie sie diese erlangen sollen: Nämlich durch spezielle Fortbildungsangebote und eine zeitgemäße Hochschulausbildung.

Knackpunkt: Eine modernere Infrastruktur.

Mit den Strategie-Papieren zeichnen sich auch klare Trends für den Einsatz digitaler Technologien ab. Ein erster Schritt erscheint zunächst wenig visionär: Schulen sollen in den nächsten zwei Jahren mit leistungsfähigen Internetzugängen und Endgeräten ausgestattet werden.

Tatsächlich ist das notwendig, wie bereits die International Computer and Information Literacy Study, kurz ICILS-Studie, 2013 herausfand und später der Länderindikator 2017 bestätigte . Demnach bewerten "nur 55,6 Prozent der Lehrpersonen die IT-Ausstattung an ihrer Schule als ausreichend." Nicht mal die Hälfte der Schulen (40,5 Prozent) verfügt über WLAN in den Klassenzimmern.

Ein heikler Zustand, denn die Kosten für die Modernisierung sind gewaltig: Allein die Ausstattung mit technischen Geräten und deren Instandhaltung würde jährlich 2,8 Milliarden Euro verschlingen , wie jüngst die Bertelsmann Stiftung errechnete. Der DigitalPakt stellt den Ländern jedoch insgesamt nur 5 Milliarden Euro in Aussicht und soll schließlich auch den Internetausbau und Lehrerfortbildungen subventionieren.

Plattformen und digitale Bücher

Neben der Hardware steht 2018 auch die Entwicklung digitaler Lösungen im Fokus. Dabei konzentriert sich die Bildungspolitik auf drei Schwerpunkte:

  • Digitale Lernplattformen. Sie kommen bereits in allen Bundesländern zum Einsatz, gehen jedoch meistens nicht über Pilotprojekte hinaus. Mit ihnen soll Lernen individueller und ortsunabhängig werden . Die KMK-Strategie zeichnet die virtuellen Klassenzimmer als "zentralen Eckpfeiler" der modernen Schule aus.

  • Leichter Zugang zu Open Educational Resources. OER sind Bildungsmaterialien wie Lehrvideos, Grafiken oder Arbeitsblätter, die keinem urheberrechtlichen Schutz unterliegen. Daher können sie wiederverwendet, verändert und verbreitet werden. Ziel ist, eine einheitliche Plattform für OER zu schaffen und Länderkooperation mit den freien Bildungsmaterialien weiter zu fördern.

  • Digitale Schulbücher. Verschiedene Länder, darunter beispielsweise Bayern und Schleswig-Holstein, wollen mehr digitale Schulbücher verwenden und schaffen für Verlage entsprechende Rahmenbedingungen. Die Vorteile gegenüber klassischen Büchern: Audio- und Videospuren lassen sich integrieren und die Bücher zukünftig mit Lernplattformen vernetzen.

Die Aufholjagd zu anderen europäischen Nationen wie Estland, Dänemark oder Tschechien scheint damit an Fahrt aufzunehmen. Bund und Länder haben Ziele definiert und treiben aktiv Technologieentwicklungen voran. Gleichwohl stehen immer noch große Hürden bevor: Die IT-Infrastruktur ist noch weit von der Wunschvorstellung entfernt und die finanziellen Mittel sind begrenzt. In diesem Zusammenhang könnte zukünftig auch die verstärkte Nutzung von Privatgeräten im Unterricht, BYOD (Bring your own Device) genannt, noch eine bedeutende Rolle spielen.

Von didacta DIGITAL • didacta Messe • 24.01.2018

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