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Musizieren mit Tablets

Die iBand -Musizieren mit einer Musik-App

Auf iPads ist eine Musik-App kostenlos vorinstalliert. Sie eröffnet neue Wege in der Musikpädagogik.

Als das Kaufmännische Berufsbildungszentrum KBBZ Halberg in Saarbrücken 2012 über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, EFRE, zwei Klassensätze iPads erhielt, stieß Patrick Schäfer, Lehrer für Wirtschaft, Informatik und Physik, auf der Suche nach geeigneten Einsatzmöglichkeiten auf die Musik-App „GarageBand“. Sie ist Teil der kostenlosen Grundausstattung von jedem iPad und eine Anwendung zum Musizieren. Als passionierter Freizeitmusiker, der in der Kindheit zwei Instrumente lernte und am KBBZ">http://www.kbbz-halberg.de/Projekte">KBBZ die Schulband leitet, war er von der App und deren Möglichkeiten fasziniert.

Musizieren mit einer Musik-App

„Beim Musizieren mit dem iPad hat man einen deutlich schnelleren Erfolg, als wenn man beispielsweise den C-Akkord auf der Gitarre einüben muss oder versucht, auf einer Klarinette einen Ton hervorzubringen“, sagt Schäfer. Denn beim iPad brauche man nicht mühsam spezielle Bewegungsabläufe und Fertigkeiten einzuüben. Die App stellt Instrumente wie Keyboard, Gitarre oder Schlagzeug zum Spielen auf dem Tablet zur Verfügung. Für jedes Instrument gibt es eine eigene, angepasste Spieloberfläche. Bei der Gitarre beispielsweise bildet diese die Saiten und die Akkordgriffe ab.

Schäfer hatte die Idee, die Garageband-App in der Schulband einzusetzen. Bisher bestand die Musikband aus Lehrern und Schülern, die alle ein Instrument spielen können. „Schüler, die vorher noch nie ein Instrument gespielt hatten, können so auch in der Band mitspielen“, erzählt Schäfer. Besonders gut an der App sei, dass sie latenzfrei ist, das bedeutet, dass der angetippte Ton sofort, ohne hörbare Verzögerung ertönt. Wäre der Ton nur ein paar Millisekunden später zu hören, wäre das Life-Musizieren unmöglich.

Ein weiterer Vorteil bei Musizieren mit der App: Mit ihr lassen sich auch Kinder, die die klassische Notenschrift nicht kennen, leichter an Musik heranführen und begeistern. Für diese legt Schäfer auf die Tablet-Oberfläche eine Overheadfolie. Er markiert diese mit bunten Punkten und ordnet beispielsweise den Keyboardtasten auf dem iPad-Screen bestimmte farbige Noten zu. Die Musik-Anfänger erhalten dann ein entsprechend – buntes – Notenblatt. Sie können sofort damit beginnen, Melodien einzuüben.

Technikwissen von Vorteil

Neben seiner Herkunft aus einer Musikerfamilie kommt Patrick Schäfer sein Wissen über Technik und EDV zugute – beispielsweise beim Anschließen der Musikanlage an die Tablets oder bei der Arbeit mit dem Mischpult und den Lautsprechern. „Mittlerweile nutzen wir Funksender, da läuft die Daten-Übertragung drahtlos und jeder kann sich frei auf der Bühne bewegen. Aber mit der Technik muss man sich natürlich erst einmal auseinandersetzen“ erzählt er. Der Umstieg auf die Tablets war für die Band zunächst eine Herausforderung. Vor allem für den Schlagzeuger sei es eine große Umstellung gewesen, plötzlich auf der Glasplatte des iPads zu spielen. Inzwischen ist es Routine. „Es klingt wie ein echtes Schlagzeug und es sieht toll aus, wenn er mit zwei oder drei Fingern auf dem iPad Schlagzeug spielt“, sagt Schäfer.

Musizieren mit Kindern mit Beeinträchtigungen

Die Garageband-App ermöglicht auch Kindern mit körperlichen Einschränkungen zu musizieren. René leidet unter einer Halbseitenlähmung, bei seinen Auftritten mit derBand spielte der 18-Jährige die Bassgitarre.Jakob kann aufgrund einer Muskeldystrophie seine Arme und Hände nur innerhalb einesRadius von 20 Zentimetern bewegen. Er übernimmt derzeit die Streich-Instrumente. „Vor vier Jahren besuchte ich die Förderschule am Webersberg im nahegelegenen Homburg. Mit Unterstützung des Landesinstituts für Pädagogik und Medien des Saarlandes entstand die Musik-Arbeitsgruppe mit zwei Förderstunden pro Woche, in der wir gemeinsam musizieren“, sagt Schäfer. Was mit klassischen Instrumenten für motorisch stark beeinträchtige Kinder, die nur zu minimalen Bewegungen fähig sind, bislang nicht möglich war, lässt sich mit den Tablets verwirklichen.

Schäfer und seine iBand haben inzwischen zahlreiche Auftritte gemacht. Im Januar 2017 spielten sie auf dem Neujahrsempfang der saarländischen Ministerpräsidentin. Besonders stolz ist er darauf, dass er Vorträge an der Musikfakultät der Universität Köln und Eichstätt hielt, obwohl er nicht einmal Musiklehrer ist. Thema: Barrierefrei Musizieren mit Apps. „Ich will den Menschen zeigen, was mit den Apps möglich ist“, sagt Schäfer. Er ist überzeugt: „Das ist eine neue Musikwelle, die auf Deutschland zukommt. Eine, die den Musikunterricht bereichern kann.“

Videos und Infos zum Projekt KBBZ Halberg:

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Von didacta DIGITAL • Benigna Daubenmerkl • 01.10.2018

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