© TU Dortmund, Fachgebiet Maschinenelemente
Blended Learning in der Ausbildung

Blended Learning: Der dritte Lernort

Die Technische Universität Dortmund hat eine eigene Lernplattform für angehende Produktdesigner entwickelt. Dabei kommt das Konzept des „Blended Learning“ zum Einsatz.

Wer sich derzeit mit der Diskussion um neue Lernformen beschäftigt, dem begegnet fast zwangsläufig der Begriff „Blended Learning“. Mit diesem Begriff – zu Deutsch „integriertes Lernen“ – werden Lernformen bezeichnet, die klassisches Lernen in Präsenzveranstaltungen, also im Klassenzimmer, dem Büro oder der Werkstatt, mit E-Learning, Lernen am Computer, verbinden. Dabei können Online-Kurse zum Selbstlernen, gruppenbasierte Videochats und digitale Tools wie Simulationen zum Einsatz kommen.

Produktdesigner lernen integriert

Wie ein solches Projekt in der Ausbildungspraxis funktionieren kann, zeigt das Projekt „E-Learning in der dualen Berufsausbildung zum Technischen Produktdesigner“ oder kurz „e2b“ des Lehrstuhls für Technik und ihre Didaktik und des Fachgebietes Maschinenelemente an der Technischen Universität (TU) Dortmund. Das Ergebnis des Projektes: Die Lernplattform „Dritter Lernort“ ist seit April 2015 online.

Herzstück der Plattform sind Online-Kurse, mit denen die Azubis in allen Lernfeldern des Berufes ihr Wissen erweitern und testen können. Die Kurse decken die Inhalte des Ausbildungsberufes des Technischen Produktdesigners ab, von Steuerungstechnik bis zu Fertigungsverfahren. Sie sind in kurze inhaltliche Lerneinheiten mit Texten, Abbildungen und Videos gegliedert, die jeweils mit einem Quiz abgeschlossen werden, mit dem man sein Verständnis des Gelerntenüberprüfen kann. Lernvideos zu den Grundlagen für das technische Zeichnen demonstrieren beispielsweise, wie man eine Parabel anhand zweier Tangenten konstruiert oder Werkstücke bemaßt.

Positive Reaktionen

„Die Reaktionen auf die Lernplattform fallen sowohl von Seiten der Azubis als auch von den Lehrern und Ausbildern sehr positiv aus“, sagt Ulrike Willms von der TU Dortmund, die für das Projekt zuständig ist. Bei einer Befragung gaben 70 Prozent der Azubis an, die Inhalte seien hochwertig, 69 Prozent fanden, dass ihnen die mediale Aufarbeitung dabei hilft, die Inhalte besser zu verstehen. Zwei Drittel gaben an, dass die zeit- und ortsunabhängige Nutzung der Lernplattform für sie ein Vorteil sei. Das bestätigt sich auch in den Angaben zur Nutzung: 34 Prozent der Azubis nutzen die Plattform überwiegend zu Hause, und immerhin 9 Prozent unterwegs.

Beim Ausbildungspersonal ergab sich ein ähnliches Bild: 80 Prozent finden die Inhalte hochwertig, 91 Prozent gaben an, die Plattform entweder in den Unterricht einzubinden oder selbst zur Vorbereitung oder Informationsbeschaffung zu nutzen. 47 Prozent gaben an, durch dass Portal Zeit in der Unterrichtsvorbereitung zu sparen, 53 Prozent sind der Meinung, dass ihre Azubis sich so besser auf den Unterricht vorbereiten können.

Ein langer Prozess

Dass das Projekt, das 2013 gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) startete, nun ein Erfolg ist, ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Über mehrere Jahre hinweg wurden die Inhalte erstellt und optimiert, ein Partnerunternehmen programmierte die Website. In einer langen Testphase wurde die Plattform von Unternehmen und Berufsschulen in der Region genutzt, um Feedback und Verbesserungsvorschläge zu bekommen – das führte zum Beispiel dazu, dass mehr Inhalte aus dem Bereich Mathematik in die Lernplattform integriert wurden. Langfristig haben die Initiatoren der Plattform große Pläne dafür, so Willms: „Wir wollen den dritten Lernort in der Zukunft auch für andere Berufe nutzbar machen.“

Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS • 24.05.2018

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