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Digitale Ausbildung

"Ausbilder sind Bewahrer"

Das Nutzen von digitalen Lernmitteln macht Ausbildung flexibler und moderner. Um sich an die veränderten Lernprozesse in der Ausbildung anzupassen, müssen sich Ausbilder umstellen - und selbst ihre Medienkompetenz stärken.

Herr Busbach, was verändert sich bei Ihnen in der Ausbildung?

Die Azubis sind heute anders als früher. Wir beobachten, dass ihnen Flexibilität wichtig ist. Deswegen setzen wir E-Learning-Inhalte ein, die es den Azubis erlauben, völlig orts- und zeitunabhängig zu lernen, zum Beispiel am eigenen Tablet oder Smartphone. Wir beobachten, dass die Jugendlichen das sehr motiviert nutzen und teilweise schon gar nicht mehr die Erwartung besteht, dass wir ihnen eigene PCs zur Verfügung stellen – wobei wir das natürlich trotzdem tun.

BILDUNGSPRAXIS: Was verändert sich dadurch für die Arbeit der Ausbilder? Und wie reagieren diese darauf?

Stephan Busbach: Ausbilder – und zwar sowohl die hauptberuflichen in den Ausbildungszentren als auch die betrieblichen – sind eher Bewahrer, denen viel an festen Strukturen liegt. Und der Erfolg gibt ihnen da durchaus Recht, denn die Ausbildungsqualität ist bereits hoch. Zudem ist das Ausbildungspersonal älter als die Azubis – was aber nicht bedeutet, dass sie nicht aufgeschlossen für digitale Medien sein können. Trotzdem müssen sich neue Werkzeuge, wie das digitale Lernen oder das Smartboard im Lernraum, für viele erst bewähren. Die Ausbilder tasten sich hier langsam heran. Das ist auch bei uns so, wobei nach einer Gewöhnungsphase die Akzeptanz auch bei den Ausbildern deutlich steigt.

Wie machen Sie denn Ihre betrieblichen Ausbilder für solche Veränderungen fit?

Wir setzen stärker als früher darauf, Ausbildern Qualifizierungsmodule und Medienkompetenz-Schulungen anzubieten, die ihre Arbeit betreffen, und wollen das in Zukunft noch ausbauen. Auch dabei kann man als Unternehmen im Übrigen neue Methoden einsetzen, etwa Web Based Trainings, also webbasierte Schulungen.

Wie setzen Sie diese ein?

Vor kurzem habe ich selbst ein Training durchgeführt, bei dem es um die Wichtigkeit von schrift lichen Rückmeldungen an die Azubis über ihren Leistungsstand ging. Hintergrund ist, dass wir allen Azubis, die am Ende der Ausbildung persönlich und fachlich geeignet sind, eine unbefristete Übernahme garantieren. Dazu bekommen die Azubis etwa nach der Hälft e der Ausbildungszeit ein Feedback von uns, wie wir diese Eignung einschätzen. Daher ist es wichtig, den Ausbildern mitzugeben, wie wichtig es ist, dass diese Rückmeldung ehrlich und aussagekräftig ist. Dazu haben wir an drei Terminen einen Video-Chat durchgeführt. Das hat den Vorteil, dass man mehr Ausbilder erreicht, weil sie flexibel im eigenen Büro geschult werden können.

Wie ist denn das Feedback auf solche Formate?

Das Feedback ist sehr gut! Interessanterweise wurde von den Teilnehmern darauf bestanden, dass webbasierte Schulungen nicht vollständig den persönlichen Kontakt ersetzen sollen.

Stephan Busbach ist Head of Apprenticeship beim Werkstoffhersteller Covestro und setzt in der Ausbildung die E-Learning-Inhalte des Kölner Unternehmens „eCademy“ ein.

Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS • 15.11.2017

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