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Tablets und Inklusion

Sonderpädagogik: Inklusion durch Tablets erleichtern

Digitale Medien können in der Sonderpädagogik beim Lernen unterstützen und Schulen dabei helfen, Inklusion umzusetzen. Wie, erklärt Experte Ingo Bosse.

didacta DIGITAL: Viele Schulen tun sich nach wie vor schwer damit, Inklusion umzusetzen. Warum?

Ingo Bosse: Inklusion in Schulen stellt Lehrkräfte natürlich vor große Herausforderungen. Im Studium lernen sie kaum oder nur wenig über Sonderpädagogik. Daher sollten Schulen Sonderpädagogen einstellen. Wenn die Klassen immer heterogener werden, macht es das Unterrichten für die Lehrkräfte nicht leichter. Wichtig ist trotzdem, Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen und sie wahrzunehmen.

Sie sind davon überzeugt, dass digitale Medien dabei helfen, diese Aufgabe zu erfüllen. Inwiefern?

Tablets können es Inklusionsschülern erleichtern, am Unterricht teilzunehmen und ihnen helfen, selbstbewusster mit ihrer Behinderung umzugehen. Denn Tablets sind ein Lifestyle-Produkt, das
auch nicht beeinträchtige Menschen nutzen. Inklusionsschüler empfinden die Geräte nicht als stigmatisierendes Hilfsmittel wie beispielsweise einen Sprachcomputer. Zudem verfügen Tablets über Funktionen, die das Lernen für die Kinder mit Beeinträchtigungen erleichtern und für die  Lehrkräfte den Unterricht einfacher machen.

Wie?

Im Internet gibt es zum Beispiel spezielle Lernvideos mit Untertitelung für Schüler, die schlecht hören. Lehrkräfte können auf Plattformen wie Planet Schule zurückgreifen, die neben Filmen und Multimedia klassische Arbeitsblätter auf unterschiedlichen Differenzierungsstufen bieten. Sie können unproblematisch diese Materialien an die Bedürfnisse der Lerngruppe oder an die einzelner
Schüler anpassen. Außerdem gibt es Arbeitsblätter als PDF-Dateien mit sogenannten Tags, also Erweiterungen, sodass Sehbehinderte sich die Dokumente vorlesen lassen können. Tablets  ermöglichen es auch, beliebig zu zoomen, was Schülern mit Sehbehinderung hilft. Digitale Technologien, nicht nur das Internet, bieten für Inklusion zahlreiche Möglichkeiten: Eine Rollstuhlhockeymannschaft in Paderborn druckte mit einem 3D-Drucker kürzlich individuelle Schläger für das Team aus. Auch Schulen könnten damit unkompliziert kleine Hilfsgegenstände
für den Alltag ausdrucken – das kann eine Buchstütze oder ein Tablet-Halter sein.

Wo können sich Schulen Hilfe holen, um Inklusion an Ihrer Schule mit digitalen Medien zu verankern?

In den Landesmedienanstalten gibt es ausgebildete Medienpädagogen und Inklusionsscouts, die die
Schulen unterstützen. Wichtig ist, die Digitalisierung nicht als Mehrbelastung, sondern als Vereinfachung bei der Inklusion wahrzunehmen.

Prof. Dr. Ingo Bosse

leitet das Lehrgebiet Körperliche und Motorische Entwicklung an der TU Dortmund. Der Forschungsschwerpunkt des ehemaligen Lehrers ist Inklusion mit Medien.

Von didacta DIGITAL • Tina Sprung • 27.09.2018

Barrierefreie Lernsoftware und Apps

Arbeitsblätter digital bearbeiten:

Multitext

Software für Körper-, Sprach-, Seh- und Lernbehinderung
Für Windows (Laptop / PC), Preis abhängig vom Funktionsumfang von 250 bis 1650 Euro

Einsatzmöglichkeiten:
Schulvorlagen scannen/bearbeiten, Zoom, Sprachausgabe, Bildschirmtastatur, Tastaturverzögerung, Wortvorhersage, Rechtschreibprüfung, Textbausteine erstellen, Rechen- und Geometriefunktionen bis Oberstufe

Snaptype
App für Körper- und Sehbehinderung
Für iOS, Android, rund 5 Euro

Einsatzmöglichkeiten:
Arbeitsblätter scannen, mit Tablet-Tastatur beschriften und ausfüllen

Bei Lese- und Schreibschwierigkeiten:

Abilipad
App zur Unterstützung bei Sprachentwicklungsverzögerungen und Lernschwierigkeiten
Für iOS, rund 20 Euro

Einsatzmöglichkeiten:
Tastaturen können individuell erstellt und mit Buchstaben, Wörtern, Sätzen, Bildern und Tönen belegt werden.

Speechcare LRS
App für Legasthenie
Für iOS und Android, ab 50 Euro

Einsatzmöglichkeiten:
Übungen wie beispielsweise Wort-Bild-Zuordnungen und viele Einstellungsmöglichkeiten für individuelle Anpassungen

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