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Lernen mit digitalen Medien

Digitale Bildung – Herausforderungen beim Lernen mit digitalen Medien

Lernen mit digitalen Medien stellt die Lehrenden vor große Herausforderungen. In den Schulen sind die Defizite bei den digitalen Medien – gefühlt – am größten, Hochschulen fühlen sich besser ausgestattet.

Für den „Monitor Digitale Bildung“ haben wir in allen Bildungssektoren auch nach den Herausforderungen gefragt, die mit der Einführung digitalen Lernens einhergehen. Wir wollten wissen: Wo liegen die Stolpersteine? Sind dies in Schulen, Berufsschulen, Hochschulen und Institutionen der Weiterbildung die gleichen Herausforderungen? Oder funktioniert in einem Bildungsbereich etwas besser als in den anderen? Also haben wir die Befragungsergebnisse der Sektoren nebeneinander gelegt und die Antworten der Lehrenden aus den Sektoren verglichen.

Das Ergebnis: Grundsätzlich wird das digitale Lernen in den meisten Bildungssektoren von den Lehrenden akzeptiert. Trotzdem existieren noch viele Hürden, um das Lernen mit Tablets, Notebooks und PCs flächendeckend einzuführen.

Geht es nach dem Anteil der Lehrenden, die einem möglichen Hindernis mit Blick auf ihre eigene Situation zustimmen, so scheinen sich bei den Schulen die größten Probleme aufzutürmen. Rund zwei Drittel aller Lehrerinnen und Lehrer beklagen sich über hohe Kosten für die Soft- und Hardware-Ausstattung (75 %), das Fehlen einer professionellen Betreuung für die digitale Infrastruktur (73 %), die Kosten für die Wartung der Geräte und Anwendungen (71 %), die Regelungen zur Anrechnung des Mehraufwands beim Einsatz von digitalen Medien (68 %) und die hohen Kosten der Beschaffung von Lerninhalten (65 %). Umgekehrt gibt es keine Herausforderung an Schulen, die dort deutlich seltener genannt wird als in den anderen drei Bildungssektoren.

Kleiner scheinen die Sorgen hingegen bei den Hochschulen zu sein. Vor allem Herausforderungen, die Ausstattung, Ressourcen und Service betreffen, werden hier von deutlich weniger Dozentinnen und Dozenten geäußert. Sehr vordringlich ist für Hochschulangehörige hingegen eine rechtliche Herausforderung, beispielsweise zu Nutzungsrechten und Datenschutz (69%). Da diese viel publizieren, ist für sie das Urheberrecht natürlich in doppelter Hinsicht relevant, da sie auch die eigenen Werke schützen müssen.

Für Berufsschulen gelten ähnliche Herausforderungen wie für die allgemeinbildenden Schulen, allerdings liegt hier die Zustimmung etwas niedriger. Deutlich weniger Lehrerinnen und Lehrer beklagen sich dort allerdings über eine schlechte Betreuung der digitalen Infrastruktur (40%).

Fehlende Anerkennung digitaler Lehre als Hindernis

Fehlende Regelungen zur Anrechnung der digitalen Lehre auf die Arbeitszeit oder das Honorar ist ein Problem, das allen vier Bildungssektoren gemeinsam ist – in etwas abgeschwächter Form bei den Dozenten in der Weiterbildung (42%), von denen auch viele „pro Kurs“ bezahlt werden. Es ist aber ein Problem, dem in der breiteren Öffentlichkeit noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird – im Gegensatz zum Thema „Ausstattung und Service“. Die Tatsache, dass an Schulen, Berufsschulen und Hochschulen digitale Lehre als „Aufgabe on top“ betrachtet wird, führt dazu, dass nur digitale Enthusiasten wirklich Zeit in die Aufgaben investieren. Die anderen fühlen sich nur mäßig motiviert. Bleiben entsprechende Regelungen aus, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.

Zwei Themen spielen als Hindernis hingegen kaum eine Rolle: Dass Lernende zu beschäftigt sind, dass sie also keine Zeit für digitale Medien haben, glaubt nur eine kleine Minderheit (Ausnahme: Berufsschullehrende mit 24%).  Und dass digitales Lernen, u.a. durch den Betrieb von WLAN-Netzen, negative gesundheitliche Auswirkungen hat, sehen nur 11 Prozent der Lehrenden an Berufsschulen so – die anderen Sektoren liegen noch darunter. Es sieht so aus, als hätte ein beliebtes Gegenargument inzwischen deutlich an Kraft verloren.

Resümee

Zumindest im subjektiven Empfinden der Lehrenden sind die Hindernisse an den allgemeinbildenden Schulen am größten, vor allem was die Ausstattung mit Lerntechnik und Lerninhalten angeht. Die Hochschulen hingegen fühlen sich im direkten Vergleich besser ausgestattet. Doch für alle Sektoren gilt: Die Anrechnung von Leistungen in der digitalen Lehre gehört auf die Agenda – auf allen politischen Ebenen.

Von didacta DIGITAL • Dr. Lutz Goertz • 20.09.2018

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