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Azubi-Recruiting

Mobil sichtbar sein

Es wird immer schwerer, passende Azubis zu  finden. Helfen kann es, wenn Unternehmen den Nachwuchs dort ansprechen, wo er besonders aktiv ist: über das Smartphone.

Im Bus und in der U-Bahn kann man es jeden Morgen sehen: Jugendliche, beschäftigt mit dem Handy. Die JIM 2017-Studie des medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, für die 1200 Jugendliche in Deutschland zwischen 12 und 19 Jahren befragt wurden, bestätigt diese Beobachtung: 97 Prozent in dieser Altersgruppe besitzen ein Smartphone, deutlich mehr als etwa einen eigenen Computer, Laptop oder Fernseher. 93 Prozent benutzen ihr Smartphone täglich.

Bewerber nutzen Smartphones

Deshalb versuchen Unternehmen, potenzielle Interessenten über das Smartphone anzusprechen. „Mobile Recruiting“ ist dabei gerade im Azubi-Bereich sinnvoll: Einerseits nutzen Jugendliche ihr Smartphone besonders häufig, andererseits wird in den vergangenen Jahren immer deutlicher, dass auf dem Ausbildungsmarkt Unternehmen und Kandidaten immer schlechter zusammenfinden. Seit Jahren steigt tendenziell sowohl die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze als auch die Zahl der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden.

Dass die potenziellen Bewerber online und mobil nach Stellen suchen, ist gut belegt: Laut der Studie Azubi Recruitingtrends 2017 des Testsystemeanbieters U-form sucht die Mehrzahl der Bewerber häufig oder sehr häufig online nach Angeboten. Laut der Mobile Recruiting Studie 2017 der Stellenbörse meinestadt.de nutzen 76 Prozent der Bewerber dafür das Smartphone. 73 Prozent würden sich sogar über das Smartphone bewerben, wenn das möglich wäre. Zwar steht der direkte Kontakt, etwa über Praktika, Ausbildungs- messen oder Probearbeiten, auch bei Jugendlichen weiter hoch im Kurs – für drei Viertel der Azubis sind Praktika laut Azubi Recruitingtrends wichtig oder sehr wichtig, über ein Drittel informiert sich auf Azubi-Messen. Aber die Zahlen zeigen, dass Unternehmen sich auch online und mobil auf Bewerbersuche machen sollten.

Darstellung auf Mobilgeräten ist oft schlecht

Das Bewusstsein dafür ist allerdings noch nicht sehr ausgeprägt. Laut Mobile Recruiting Studie ist bei 43 Prozent der befragten Unternehmen kein Teil des Online-Karriere-Auftrittes für mobile Geräte optimiert. Auch die Bewerbermanagementsysteme, die viele Unternehmen nutzen, um ihre Bewerber und Stellenangebote zu verwalten, sind oft eher ein Hindernis. Eine Studie der Uni Bamberg fand heraus, dass über die Hälfte der befragten Unternehmen nie kontrollieren, ob es bei der Suche von Informationen über das eigene Unternehmen Darstellungsprobleme auf mobilen Endgeräten gibt. „Bei den Bewerbern ist die Frustration häufig hoch“, sagt Katja Haack von meinestadt.de, die für die App „TalentHero“ verantwortlich ist, mit der sich Ausbildungsplatzsuchende direkt mobil bei den Unternehmen bewerben können. „Mehr als die Hälfte unserer Befragten geben an, schon einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen zu haben, zum Beispiel weil die Bewerbermanagementsysteme der Unternehmen nicht mobil optimiert sind.“ Sie betont, wie wichtig es sei, den Bewerbungsprozess möglichst einfach und unkompliziert zu machen: „Wir ermöglichen es zum Beispiel den Jugendlichen, Bewerbungsunterlagen direkt in der App anzulegen und Zeugnisse über das Smartphone einzuscannen.“

All dies legt eins nah: Wenn schon nicht der gesamte Bewerbungsprozess mobil ermöglicht wird, braucht es bei den Unternehmen zumindest ein Bewusstsein dafür, wie wichtig mobile Geräte für Jugendliche bei der Stellensuche sind. Vor allem bei Unternehmen, die über fehlenden Azubi-Nachwuchs klagen.

Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS • 15.05.2018

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