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Frühpädagogik

Medien- und Technikkompetenz: Räume zum machen

Nicht nur Kinder brauchen Medien- und Technikkompetenz, auch Erwachsene. In der Klax-Kreativwerkstatt können sich die Fachkräfte in „Maker-Spaces“ gemeinsam mit den Kindern an 3D-Druckern, Miniprozessoren und Lasercuttern ausprobieren.

Pädagogen haben einen wichtigen Auftrag: Sie bilden und erziehen die nächsten Generationen. Das ist leichter gesagt als getan. Die Veränderungen in unserer Gesellschaft, die zu großen Teilen durch die Digitalisierung ausgelöst und vorangetrieben werden, machen unsere Arbeit kompliziert. Viele Erwachsene fühlen sich von den Veränderungen überrannt oder ihnen hilflos ausgeliefert. Sie gehen zu den digitalen Entwicklungen auf Distanz oder versuchen, die gesellschaftlichen Veränderungen zu ignorieren. So verständlich dies auch sein mag, im Zusammenleben mit Kindern ist dieses Verhalten sicher keine hilfreiche Option. Wir alle haben die Entwicklung von neuen Technologien erlebt und mit angesehen, wie das Internet unsere Gesellschaft verändert hat. Wir benutzen täglich das Internet und sollten deshalb wissen und erklären können, welchen Einfluss diese weltumspannende Kommunikationsmaschine auf unsere Demokratie, die Kommunikation der Menschen und unser Zusammenleben hat. Viele Erwachsene trauen sich dies jedoch nicht zu. Sie haben zu lange zugesehen und die Technik genutzt, ohne sie verstehen zu wollen.

Sie sind einfach nur Anwender („User“), also passive Konsumenten digitaler Produkte geworden. Doch das Heranbilden kreativer, selbstbestimmter und verantwortungsfähiger Menschen verlangt nach Erwachsenen, die sich einem selbstbestimmten und verantwortungsvollen Leben  verschrieben haben und für diese Haltung auch angesichts digitaler Technologien und veränderter gesellschaftlicher Kommunikationsweisen einstehen.

 

Erfahrungen in der  digitalen Welt  sammeln
Es ist höchste Zeit, die heute Erwachsenen in die digitalisierte Welt zu begleiten. Denn es ist nötig, dass sie Werkzeuge, Ideen und Methoden erhalten, um die Kinder für die Zukunft zu bilden. Sie müssen ermutigt und begleitet werden, um Technik-, Produktions- und Informationskompetenz auszubilden. Aber dies gelingt nicht mit den herkömmlichen Bildungsmethoden und Lernstrategien. Die digitale Welt verlangt nach einem Lernen durch Selbst-Tun, durch eigene Erfahrungen und gemeinsames Reflektieren. Ein geübter pädagogischer Umgang mit Computer-Technologien, 3D-Druckern, Lasercuttern und Materialien wie Kupferklebeband oder LEDs wird dazu beitragen, Pädagogen zu erfolgreichen Lernbegleitern von Kindern zu machen.

Lernen in „Maker-Spaces“
Eine Möglichkeit, das Lernen in Kindergarten und Schule zu verändern, ist die Einrichtung von sogenannten Maker-Spaces, also „Räumen zum Machen“. Sie sind mit Maschinen wie 3D-Druckern, Plottern, Nähmaschinen, Mini prozessoren, Werkzeugen, Computertechnologie und Recycling-Materialien ausgestattet. Aus diesen lassen sich beispielsweise Schrottbots bauen, Roboter aus Alltagsschrott. Im Unterschied zu den herkömmlichen Pappmonstern werden diese mithilfe von Kabeln, kleinen Motoren und Batterien zum Leuchten und Fahren gebracht. Die Kinder bekommen durch das Selbstbauen ein Verständnis von Strom und Technik und wie Dinge entstehen (Produktionskompetenz). Ein solcher Raum, in dem sich Erwachsene und Kinder mit einfachen technischen Dingen beschäftigen und eigene Erfindungen bauen können, befindet sich beispielsweise in der Kreativwerkstatt des Kita-Trägers Klax in Berlin. Hier werden Workshops angeboten und Familien eingeladen, gemeinsam kreativ zu sein. Das Besondere am Konzept der Kreativwerkstatt ist, dass hier Staffeleien und Druckerpressen neben modernen 3D-Druckern und Lasercuttern stehen. Klassische Methoden des gestalterischen Schaffens werden mit moderner Technik des digitalen Zeitalters verbunden. Neben einem Atelier gibt es eine Töpferwerkstatt und einen Bauraum. Erzieherinnen und Erzieher, die mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren arbeiten und ein besonderes Interesse an der Nutzung von digitalen Medien und Technik in der Frühpädagogik haben, können dort eine sogenannte „Mini-Maker“-Fortbildung besuchen. Die Teilnehmenden lernen theoretisches und praktisches Know-how für die Planung und Durchführung von Lernangeboten. Sie erhalten didaktische Tipps und Hintergrundwissen zum Spielen und Lernen mit Kindern in der digitalisierten Welt. „Die Fortbildungen sollen auch Berührungsängste davor nehmen, sich selbst mit den Themen Medien- und Technikkompetenz auseinanderzusetzen“, erklärt Antje Bostelmann, Erzieherin und Mitbegründerin der Klax-Pädagogik. Denn nur wer selbst keine Hemmungen hat, sich mit neuer Technik zu befassen, hat auch Spaß an der Arbeit mit ihr und kann sie ohne Vorbehalte  weitervermitteln.

Von didacta DIGITAL • Antje Bostelmann • 22.08.2017

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