© Dean Drobot / Shutterstock
Jugendliche

Generation Y: Generation wer?

Viel wird darüber geschrieben und geforscht, wie Jugendliche heutzutage ticken. Das Ausbildungsmagazin BILDUNGSPRAXIS wollte wissen, was Ausbilder und Berufsschullehrer in den nächsten Jahren erwartet.

Wer sind die Jugendlichen, die derzeit in Schule und Ausbildung sind? Die Medien haben darauf eine klare Antwort: Sie sind die sogenannte Generation Z – individualistisch, ambitioniert, Profis im Umgang mit digitalen Medien. Doch solche Darstellungen bergen die Gefahr, die Realität zu vereinfachen. Sieht man sich die Ergebnisse der verschiedenen Jugendstudien an, stellt man fest: Jugendliche sind keine homogene Masse, es gibt in ihren Einstellungen und Haltungen große Unterschiede – und sie sind nicht anders als Jugendliche früher.

Schlagwort „Generation Z“

Unter dem Begriff „Generation Z“ werden die Jugendlichen zusammengefasst, die ab dem Jahr 2000 geboren wurden. Der Name basiert auf der „Generation Y“, die vorher kam, und auch als „Millenials“ bezeichnet wird. Laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance ist die Zusammenfassung bestimmter Geburtenjahrgänge zu Generationen durchaus sinnvoll. Denn Jugendliche werden von kollektiven Ereignissen und sozialen Gegebenheiten geprägt, die für sie alle ähnlich sind und die Spuren in ihrem „Sozialcharakter“ hinterlassen. Das hat, so Hurrelmann, bestimmte Persönlichkeitsmuster zur Folge. Bei den seit 2000 Geborenen sei es aber noch schwierig, über diese Persönlichkeitsmuster gesicherte Aussagen zu treffen: „Die Mehrheit der jungen Leute hat die formative Jugendzeit noch vor sich.“ Spezifisch mit den Ansichten und Neigungen derjenigen, die derzeit und in den kommen den Jahren ins Berufsleben einsteigen werden, beschäftigt sich das Kinderbarometer der Bausparkasse LBS. Dafür werden bundesweit über 10 000 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren befragt. Die Ergebnisse der jüngsten Studie, die 2016 erschien, deuten darauf hin, dass die Unterschiede zu vorherigen Jahrgängen in vielen Bereichen gar nicht so groß sind oder sich zumindest nur langsam verändern. Bei den Fragen, die auch in früheren Studien schon gestellt wurden, zeigt sich nämlich, dass die Antworten der Kinder sich nur wenig verändert haben: Das betrifft etwa den Wunsch nach eigenen Kindern (2011: 65 Prozent, 2016: 64 Prozent), den Wunsch danach, dass Partner später einmal gleich viel Zeit mit den Kindern verbringen (2011: 72 Prozent, 2016: 71 Prozent) oder die Zufriedenheit in der Schule (2009: 71 Prozent „sehr gut“, „gut“ oder „eher gut“, 2016: 73 Prozent) und in der Familie (2009: 74 Prozent „sehr gut“ oder „gut“, 2016: 76 Prozent).

Der heutigen Jugend, den „digitalen Eingeborenen“, wird oft sehr hohe Kompetenz zugeschrieben. Dass dies pauschal nicht zutrifft, bestätigte 2014 die ICILS-Studie.

„Nur das Interesse, in der eigenen Umgebung auch politisch mitzubestimmen, ist seit 2011 deutlich gesunken, von 65 auf 57 Prozent“, sagt Christian Schröder, der bei der LBS für das Kinderbarometer verantwortlich ist. Das Kinderbarometer 2016 fand auch heraus, dass Kinder und Jugendliche Wert auf eine gute Arbeit legen. Laut Kinderbarometer 2016 ist dies 89 Prozent der Befragten sehr wichtig, 6 Prozent wichtig. Insgesamt blicken Kinder und Jugendliche optimistisch in die eigene Zukunft. 91 Prozent gehen davon aus, dass ihr Leben in Zukunft gut oder sehr gut sein wird, nur ein Prozent bewertet die eigene Zukunft als schlecht.

Einen anderen Ansatz wählte die Jugendstudie des „SINUS Institutes“ in Heidelberg. Dafür werden wenige, aber sehr ausführliche Interviews mit Jugendlichen durchgeführt, um Aufschluss über deren Lebenswelten, ihre Werte und Lebenseinstellungen zu erhalten. Aufgrund dieser Befragungen identifiziert die Studie, die 2016 erschien, sieben verschiedene Lebenswelten, denen sich Jugendliche zuordnen lassen und die sich deutlich voneinander unterscheiden. „Allgemein lässt sich sagen, dass Jugendliche Arbeit möchten, die ihnen Spaß macht, bei der ein gutes kollegiales Miteinander herrscht und die gut mit dem Privatleben beziehungsweise der Familie vereinbar ist“, sagt Christine Uhlmann, stellvertretende Leiterin der Sinus Akademie, die unter anderem Unternehmen dabei berät, anhand der Jugendstudie jugendliche Bewerber anzusprechen. „Aber darüber hinaus gibt es je nach der Lebenswelt große Unterschiede in den Erwartungen“. So sei für „materialistische Hedonisten“ vor allem ein hohes Einkommen wichtig, während „konservativ-bürgerliche“ Jugendliche vor allem auf Wohnortnähe und gute Feedbackkultur Wert legen.

https://www.youtube.com/watch?v=_ULov-wS0zo

ZDF: Generation Z - Wer gehört dazu?

Die Studien zeigen, dass Jugendliche heute klare Vorstellungen von der Arbeitswelt haben, die sie erwartet. Aber ganz so anders als früher sind sie nicht, wie das Kinderbarometer zeigt. Das gilt auch für die digitalen Kompetenzen. Der heutigen Jugend, den „digitalen Eingeborenen“, wird oft sehr hohe Kompetenz zugeschrieben. Dass dies pauschal nicht zutrifft, bestätigte 2014 die ICILS-Studie (International Computer and Information Literacy Study), die die Informations- und computerbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern in 21 Ländern verglich: In Deutschland erreichten nur 1,5 Prozent die höchste Kompetenzstufe, ein knappes Drittel hatte gravierende Mängel. Das bedeutet, dass Unternehmen sich nicht darauf verlassen können, dass Jugendliche die nötigen Kompetenzen für eine immer mehr digitalisierte Arbeitswelt automatisch mitbringen. Diese Fähigkeiten müssen sie erst lernen – ob im Unternehmen oder in der Berufsschule.

Von didacta DIGITAL • Vincent Hochhausen • 30.08.2017

Jugendstudien

Das  LBS Kinderbarometer  wird seit 1997 in Nordrhein-Westfalen und seit 2007 alle zwei Jahre bundesweit durchgeführt. Dafür werden Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren zu ihren Zukunftsvorstellungen, ihrem Wohlbefinden und ihren Einstellungen befragt. Umgesetzt werden die Befragungen vom Prokids Institut Herten, unterstützt vom Deutschen Kinderschutzbund.

Die  Shell Jugendstudie  erschien zuletzt 2015. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest befragte dafür Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren zu ihren Haltungen und verschiedenen Themen wie zum Beispiel Mediennutzung oder Politik. Ein Ergebnis der letzten Studie: 95 Prozent der Jugendlichen ist ein sicherer Arbeitsplatz wichtig.

Die  Sinus Jugendstudie  erschien zuletzt 2016. Aufgrund von qualitativen Befragungen von Jugendlichen fanden die Autoren heraus, dass sich diese in sieben Gruppen einteilen lassen, die in der Studie „Lebenswelten” genannt werden:

•  Die Konservativ-bürgerlichen sind eher familien- und heimatorientiert.
•  Die Adaptiv-pragmatischen sind leistungs- und anpassungsbereit.
•  Die Prekären haben schlechte Startvoraussetzungen und sind um Orientierung
und Teilhabe bemüht.
•  Die Materialistischen Hedonisten sind freizeit-, familien- und konsumorientiert.
•  Den Experimentalistischen Hedonisten geht es um Spaß im Hier und Jetzt.
•  Den Sozialökologischen sind Nachhaltigkeit und Gemeinwohl wichtig.
•  Die Expeditiven sind vor allem erfolgs- und lifestyleorientiert.

Partner

eMag didacta DIGITAL