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3D-Druck in der Ausbildung

Ersatzteile selbst gemacht

2018 wurden die Metall- und Elektroberufe modernisiert und auf die Erfordernisse der Digitalisierung eingestellt. Eine der Neuerungen: Auszubildende können eine Zusatzqualifikation zu additiver Fertigung erwerben.

Industrielle Metall- und Elektroberufe wie Fachinformatiker oder Mechatroniker gehören zu den beliebtesten Ausbildungsberufen. Im Jahr 2018 wurden in diesem Bereich 78 000 neue Ausbildungsverträge geschlossen, der höchste Wert seit der Finanzkrise 2008. Auch die Ausbildungsvergütung ist in diesen Berufen vergleichsweise hoch: Mechatroniker und Industriemechaniker zum Beispiel verdienen mit fast 1100 Euro im Durchschnitt mehr als Azubis in anderen Berufen.

Doch auch diese Berufe verändern sich. Digitalisierung und neue Fertigungsmethoden werden wichtiger. Aus diesem Grund wurden die Metall- und Elektroberufe 2018 teilnivelliert, das heißt die Ausbildungsordnungen wurden verändert und modernisiert. Zu den Änderungen gehört, dass den Auszubildenden Zusatzqualifikationen ermöglicht werden, etwa in der Prozessintegration, der IT-Sicherheit oder in additiven Fertigungsverfahren, die den 3D-Druck einschließen.

Kenntnisse im 3D-Druck aufbauen

Einer der Anbieter für eine solche Zusatzqualifikation für additive Fertigung ist die Berlin Tech Academy. 2018 gegründet, bietet sie neben Kursen für Azubis auch solche für reguläre Mitarbeiter in der Zahnmedizin, in technischen Berufen und in der Bauwirtschaft an, die Kenntnisse im 3D-Druck aufbauen wollen. „Es gibt viele Unternehmen, denen das Know-how oder die Fertigungsmöglichkeiten fehlen, 3D-Druck anzuwenden“, sagt Rene Giese, Gründer und Geschäftsführer des Bildungsanbieters.

Am 7. Mai startete zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit der IHK Berlin die zertifizierte Zusatzqualifikation „Additive Fertigung“. Der achtwöchige Kurs ist in 20 Theoriestunden und 50 Praxisstunden unterteilt. Im Theorieteil lernen die Azubis neben Projektmanagement und Teamarbeit die Grundlagen der Konstruktion mit 3D-Druckern, zudem werden sie an den Geräten angelernt und lernen, welches Material wie behandelt werden muss. In den Praxisstunden bearbeiten die Jugendlichen selbstständig eine Projektaufgabe – etwa die Herstellung eines Ersatzteiles für eine Pumpe oder ein Demonstrationsobjekt, das auf Messen eingesetzt werden kann. Das dokumentierte Projekt und ein Fachgespräch mit dem Prüfungsausschuss stellen die Prüfungsleistung für die Zusatzqualifikation dar. Zur Nachbereitung und Wiederholung der Inhalte nutzen die Azubis E-Learning-Angebote des Anbieters Cornelsen Ecademy. Das Unternehmen ist Partner der Berlin Tech Academy und bietet Unterstützung für die Selbstlernphasen der Auszubildenden.

Azubis als Multiplikatoren

Die Zusatzqualifikation sind für die Auszubildenden optional, Berufsschulen müssen sie nicht anbieten. Azubis sind daher auf die Unterstützung der Betriebe angewiesen, denn die Kurse sind zeitaufwändig. „Für die Betriebe hat es Vorteile, selbst wenn sie nicht additiv fertigen“, ist Giese überzeugt. „Die Jugendlichen sind für die Veränderungen, die in dem Bereich kommen, vorbereitet und können im Unternehmen als Multiplikatoren dienen.“

An Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Drucks in der Praxis mangelt es laut Giese nicht. Zum einen biete additive Fertigung den Vorteil, dass man beispielsweise Ersatzteile in geringer Stückzahl nach Bedarf selbst fertigen kann. Dadurch entfallen Lagerkosten sowie Wartezeiten und Mindestbestellmengen. „Zudem ist die Individualisierung der Fertigung ein großer Vorteil, vor allem in der Medizintechnik“, betont Giese. Prothesen oder Implantate können mit 3D-Druck passend angefertigt werden.

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Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS - das didacta Magazin für berufliche Bildung, 2/2019 • 28.05.2019

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