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Digitale Kompetenz erwerben

Durch Roboter Potenziale von Schülern wecken

Mit kreativen Projekten wie der Arbeit mit Robotern will die Telekom Stiftung Schülern an Hauptschulen helfen, ihre Potenziale zu entwickeln und digitale Kompetenzen zu erwerben.

Bundesweit lernen Schüler der 7. und 8. Klasse an 14 Haupt- und Gesamtschulen in Arbeitsgemeinschaften außerhalb des Unterrichts , wie sie beispielsweise durch die Arbeit mit Robotern mit digitalen und technischen Anwendungen umgehen. Ziel des Projektes, das von der Telekom-Stiftung initiiert, koordiniert und finanziert wurde, ist es, das Potential der Schüler zu entwickeln und ihre digitalen und sozialen Kompetenzen zu fördern und ihnen eine bessere Berufsorientierung zu ermöglichen. Bewusst wurde dabei die Entscheidung getroffen, sie als Arbeitsgemeinschaften umzusetzen und nicht im regulären Unterricht. „Wir wollen den Kursteilnehmern die Möglichkeit geben, kreativ Schwerpunkte mitzugestalten“, sagt Birgit Schmitz, bei der Telekom Stiftung zuständig für das Projekt. Im regulären Unterricht sei das wegen der starren Lehrpläne schwierig. Inhaltlich unterscheiden sich die Kurse daher an den verschiedenen Schulen. Die Telekom Stiftung stellt Module zum Beispiel zu Robotik zur Verfügung, diese sind aber nicht verpflichtend einzusetzen. Schüler sollen in den Kursen ohne Druck den Fokus ganz auf ihre Interessen legen können. Manche Schulen arbeiten zum Beispiel mit 3D-Druckern, andere mit Robotern.

Kooperation mit Jugendhilfe und Digital-Experten

Die Umsetzung als AG-Angebot hat noch weitere Vorteile. „Die Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind meist Ganztagsschulen. Das heißt, sie haben normalerweise bereits bestehende Kooperationen mit Jugendhilfeeinrichtungen, die die Nachmittagsangebote organisieren“, sagt Schmitz. Dadurch sei mit den Jugendhilfeeinrichtungen ein Partner für die Gestaltbar-Kurse an den jeweiligen Schulen bereits gegeben. Zusätzlich werden für jede Schule Experten für digitale Anwendungen gesucht, die fest in die Kurse eingebunden sind. Die Kurse finden meist einmal wöchentlich mittags oder nachmittags statt und werden von einem Sozialpädagogen der entsprechenden Jugendhilfe, dem digitalen Fachexperten und – im Idealfall – einer Lehrkraft an der Schule durchgeführt. Da die Personalbudgets der Schulen jedoch knapp kalkuliert seien, könnten es sich manche Schulen nicht leisten, eine Lehrkraft teilnehmen zu lassen, erklärt Birgit Schmitz.

Eine der digitalen Fachexpertinnen ist Begona Iturregui. Die Maschinenbauingenieurin arbeitete nach dem Studium zunächst mehrere Jahre in der Automobilindustrie. Vor vier Jahren gründete sie mit einem Partner zusammen die Roobot Academy, eine Firma, die Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Projekten Grundkenntnisse in Technik, Physik, Elektronik und Robotik vermittelt. „Wir alle gehen jeden Tag mit Technik um, aber keiner weiß, wie sie funktioniert. Das möchte ich ändern“, sagt Iturregui. Damit war sie für das Gestaltbar-Projekt wie geschaffen. Seit 2017 leitet sie die Gestaltbar-AG an der Berliner Jean-Krämer Gesamtschule, gemeinsam mit einem Lehrer und einem Sozialpädagogen des Jugendhilfevereins Horizonte. In dem Kurs steht vor allem das Arbeiten mit Robotern im Vordergrund. Zunächst besprach Iturregui mit den Schülern die Grundlagen, zum Beispiel, was ein Roboter ist: „Viele denken erst einmal an humanoide Roboter. Andere glauben, ein Smartphone sei ein Roboter“, erzählt sie. Dann ging es an das Interessante: das Arbeiten mit den Robotern.

Grosses Interesse, kaum Verständnisprobleme

Mit einfachen, leicht verständlichen Mitteln wie den Symbolen konnten die Schüler an der Jean-Krämer Schule einem Roboter einfache Verhaltensweisen einprogrammieren, etwa: „Wenn jemand auf den Knopf drückt, leuchtet das LED-Licht“ oder „Wenn deine vorderen Sensoren ein Hindernis wahrnehmen, weichst du aus“. In einem zweiten Schritt lernen die Schüler dem Roboter komplexere, sich wiederholende Vorgänge beizubringen, sogenannte Schleifen. Wenn der Roboter zum Beispiel eine Blume mit zehn Blättern zeichnet, müssen die Schüler nicht zehnmal denselben Vorgang programmieren. Neben dem Programmieren bauten die Schüler Roboter mit Lego. Am Ende führten sie in der AG einen kleinen Wettbewerb durch, bei dem die Schüler ihre Roboter möglichst schnell durch einen Parcours lotsen mussten.

Vom Interesse der Schüler ist Iturregui begeistert. „Am Anfang, wenn sie die Roboter sehen, ist das Interesse natürlich groß. Und beim Programmieren merkten die Schüler, dass sie das für ihre Zukunft brauchen werden“, erzählt sie. Verständnisprobleme gebe es kaum. „Die Schüler begreifen auch komplexe Dinge sehr schnell, wenn sie sich dafür interessieren.“

Der einzige Wehrmutstropfen ist für Begona Iturregui, dass an ihrer AG bislang keine Mädchen teilgenommen haben. Dieser Aspekt beschäftigt auch die Telekom Stiftung. „Die Mehrzahl der Teilnehmer an den Gestaltbar-Kursen sind Jungen. Wir würden uns wünschen, dass sich das in Zukunft ändert“, sagt Birgit Schmitz. In den nächsten Jahren sollen die Gestaltbar-Kurse mehr Schulen zugänglich gemacht werden. Bei den Schülern und Lehrern kommen die Projekte jedenfalls gut an, bestätigt Schmitz: „Besonders schön ist, dass wir häufig die Rückmeldung bekommen, dass gerade Schüler, die sonst im Unterricht sehr zurückhaltend sind, in den Kursen aufblühen.“ Genau das will das Projekt erreichen: dass Schüler ihr Potenzial für und Interesse an High-Tech-Anwendungen entdecken, die dazu sonst keine Gelegenheit gehabt hätten.

Von didacta DIGITAL • Vincent Hochhausen • 01.10.2018

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