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Digitale Kompetenz

Digitale Bildung: Verstehen und weitergeben

Digitales Lernen: Pädagogen brauchen digitale Kompetenzen. Welche das genau sind, definiert das europäische Programm „DigCompEdu“.

Die Allgegenwart digitaler Geräte und die Verpflichtung, Kindern digitale Kompetenz zu vermitteln, macht es für die Fachkräfte erforderlich, die eigene digitale Kompetenz zu entwickeln. Ein gemeinsamer europäischer Rahmen für die digitale Kompetenz von Fachkräften im Erziehungsbereich ist „DigCompEdu“ – European Digital Competence Framework for Educators – der Europäischen Kommission. Es richtet sich an Fachkräfte aller Bildungsebenen, von der frühen Kindheit bis zur beruflichen Bildung, der Sonderpädagogik und der Bildung in informellen Kontexten.

Zusätzlich zu allgemeinen digitalen Kompetenzen benötigen Lehrende spezifische Kompetenzen, um digitale Technologien effektiv im Unterricht nutzen zu können. „DigCompEdu“ erfasst und beschreibt die für Fachkräfte spezifi schen Kompetenzen. Hierbei wird zwischen sechs Bereichen unterschieden mit insgesamt 22 Kompetenzen:

 

Bereich 1: Berufliches Engagement

Nutzung digitaler Technologien zur Kommunikation, Zusammenarbeit und beruflichen Entwicklung 

  • Kommunikation in der Organisation: Nutzung digitaler Strategien zur Förderung der organisationsbezogenen Kommunikation mit Lernenden, Eltern und Drittpersonen. Beitragen zur gemeinsamen Entwicklung und Verbesserung von organisatorischen Kommunikationsstrategien.
  •  Berufliche Zusammenarbeit: Nutzung digitaler Technologien zur Zusammenarbeit, zum Teilen und Austausch von Wissen und Erfahrung sowie zur gemeinsamen Erneuerung der pädagogischen Praxis.
  •  Reflexive Praxis: Individuelle und kollektive Reflexion, kritische Bewertung und aktive Entwicklung der eigenen pädagogischen Praxis wie auch der anderen Mitglieder der pädagogischen Gemeinschaft.
  •  Kontinuierliche digitale berufliche Weiterentwicklung: Nutzung digitaler Quellen und Ressourcen für kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung.

 

Machen Sie den Test!

Wie  gut  sind  Ihre  digitalen  Kompetenzen?
 „DigCompEdu“ bietet einen Online-Test, bei dem sich die Teilnehmer mit 22 Fragen selbst einschätzen müssen. Anschließend erhalten sie eine Einschätzung in Anlehnung an die Kompetenzstufen des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (A1, A2, B1, B2, C1, C2).

https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/DigCompEdu-S-DE

 

Bereich 2: Digitale Ressourcen - Planung

Beschaffung, Herstellung und Teilen  digitaler Ressourcen

Pädagogische Fachkräfte sehen sich aktuell mit einer Fülle digitaler Bildungs-Ressourcen konfrontiert, die sie für die Organisation von Bildungsprozessen nutzen können. Eine der Schlüsselkompetenzen ist, mit dieser Vielfalt zurechtzukommen.

  • Auswahl digitaler Ressourcen: Identifizierung, Bewertung und Auswahl digitaler Ressourcen für Unterricht und Lernen. Berücksichtigung des spezifischen Lernziels, Kontextes, pädagogischen Ansatzes und der Zielgruppe der Lernenden, bei der Auswahl digitaler Ressourcen und Planung ihrer Nutzung.
  • Herstellung und Modifizierung digitaler Ressourcen:  Modifizierung und Aufbau der Ressourcen ohne Lizenz und anderen Ressourcen, bei denen der Zugang erlaubt ist. Herstellung oder Mit-Herstellung neuer digitaler Bildungsressourcen. Berücksichtigung des spezifischen Lernzieles, Kontextes, pädagogischen Ansatzes und der Zielgruppe der Lernenden bei der Konzeption digitaler Ressourcen und Planung ihrer Nutzung.
  • Verwaltung, Schutz und Teilen digitaler Ressourcen:  Organisation digitaler Ressourcen und Herstellung ihrer Verfügbarkeit für Lernende, Eltern und andere. Effektiver Schutz für sensible digitale Inhalte. Respektierung und korrekte Anwendung von Regeln für Privatsphäre und Copyright. Verstehen der Nutzung und Erstellung offener Bildungsressourcen einschließlich ihrer richtigen Zuordnung.

 

Bereich 3: Unterricht und Lernen - Implementierung

Verwaltung und Umsetzung der Nutzung  digitaler Technologien im Unterricht und beim Lernen

Digitale Technologien können den Unterricht auf vielerlei Weise fördern und verbessern. Unabhängig davon, welche pädagogische Strategie oder welcher Ansatz gewählt wurde, liegt die spezifische digitale Kompetenz der Fachkraft im effektiven Einsatz der Nutzung digitaler Technologien in verschiedenen Phasen und Settings des Lernprozesses. Die grundlegende Kompetenz in diesem Bereich liegt im Unterrichten. Diese Kompetenz beinhaltet Entwurf, Planung und Implementierung der Nutzung digitaler Technologien in verschiedenen Stadien des Lernprozesses. Die Kompetenzen Anleiten, gemeinsames Lernen und selbstreguliertes Lernen ergänzen diese Fertigkeit, wobei zu betonen ist, dass das wirkliche Potenzial digitaler Technologien darin liegt, den Fokus des Unterrichtsprozesses von der Fachkraft auf schülerzentrierte Prozesse zu lenken.

  • Unterrichten:  Planung und Implementierung digitaler Geräte und Ressourcen in den Unterrichtsprozess, auf eine Weise, dass die Effektivität der Lehr-Interventionen gesteigert wird. Angemessene Organisation und Einsatz digitaler Unterrichtsstrategien: Experimentieren mit und Entwicklung neuer Formate und pädagogischer Methoden für den Unterricht.
  • Anleiten: Die Nutzung digitaler Technologien und Dienste zur Förderung der individuellen und kollektiven Interaktion mit den Lernenden innerhalb und außerhalb der Unterrichtsstunde. Nutzung digitaler Technologien für das Angebot rechtzeitiger und zielgerichteter Anleitung und Beistand. Experimentieren mit und Entwicklung neuer Formen und Formate für das Angebot von Anleitung und Unterstützung.
  • Gemeinsames Lernen: Nutzung digitaler Technologien zur Förderung und Steigerung der Zusammenarbeit zwischen Lernenden. Befähigung der Lernenden zur Nutzung digitaler Technologien als Teil ihrer gemeinschaftlichen Aufgaben, zur Verbesserung der Kommunikation, Zusammenarbeit und gemeinsamen Schaffung von Wissen.
  • Selbstreguliertes Lernen: Nutzung digitaler Technologien zur Unterstützung des selbstbestimmten Lernens im Sinn von Planung, Kontrolle und Reflektion über das eigene Lernen, Lieferung von Beweisen über Lernfortschritte, Teilen von Erkenntnissen, Ideenfindung zu kreativen Lösungsansätzen.

 

Bereich 4: Benotung

Nutzung digitaler Technologien und Strategien in der Benotung

Benotung kann Innovation in der Bildung erleichtern oder einschränken. Bei der Integration digitaler Technologien muss berücksichtigt werden, wie diese für vorhandene Benotungsstrategien förderlich sein können. Gleichzeitig muss beachtet werden, wie sie zur Schaffung oder Erleichterung innovativer Benotungsansätze eingesetzt werden können. Digital kompetente Fachkräfte sollten dazu imstande sein, digitale Technologien in der Benotung unter Beachtung dieser beiden Aspekte zu nutzen. Darüber hinaus führt die Nutzung digitaler Technologien in der Bildung, sei es für Benotung, Lernen, Verwaltung oder andere Zwecke, zu einer umfassenden Datenmenge hinsichtlich des Lernverhaltens jedes einzelnen Lernenden. Die Analyse und Interpretation dieser Daten und ihre Nutzung bei der Entscheidungsfindung wird zunehmend bedeutsam – ergänzt durch die Analyse konventioneller Evidenz zum Lernverhalten.

  • Benotungsstrategien:  Nutzung digitaler Technologien zur formalen und summativen Benotung. Förderung der Diversität und Eignung von Benotungsformaten und -ansätzen.
  • Analyse von Lernergebnissen: Herstellung, Auswahl, kritische Analyse und Interpretation digitaler Aussagen zu Aktivität, Verhalten und Fortschritt der Lernenden für die Steuerung von Unterricht und Lernen.
  • Feedback und Planung: Nutzung digitaler Technologien, um den lernenden zielgenaues und rechtzeitiges Feedback geben zu können. Anpassung der Unterrichtsstrategien und Angebot gezielter Unterstützung auf der Grundlage von Erkenntnissen, die durch digitale Technologien geschaffen wurden. Befähigung von Lernenden und Eltern, die Erkenntnisse zu verstehen, die durch digitale Technologien angeboten werden, und deren Nutzung für die Entscheidungsfindung.

 

Bereich 5: Befähigung der Lernenden

Nutzung digitaler Technologien zur Förderung von Inklusion, Personalisierung und Förderung des aktiven Engagements der Lernenden

Eine der wesentlichen Stärken digitaler Technologien im Bildungsbereich liegt in ihrem Potenzial zur Unterstützung schülerzentrierter pädagogischer Strategien und in der Steigerung von aktivem Engagement der Lernenden im Lernprozess sowie dessen Steuerung. Digitale Technologien können zur Erleichterung aktiven Engagements auf Seiten der Lernenden genutzt werden, beispielsweise, wenn sie ein Thema explorieren oder mit verschiedenen Optionen oder Lösungsansätzen experimentieren. Digitale Technologien können darüber hinaus zur Unterstützung von Differenzierung im Unterricht sowie zur Personalisierung von Bildung beitragen, indem Lernaktivitäten angeboten werden, die an das Kompetenzniveau jedes einzelnen Lernenden angepasst sind. Gleichzeitig muss jedoch darauf geachtet werden, bestehende Ungleichheit nicht zu steigern, beispielsweise, was den Zugang zu digitalen Technologien oder digitaler Kompetenz betrifft, und Zugänglichkeit für alle Lernenden, einschließlich jenen mit speziellen Bildungsbedürfnissen, sicherzustellen.

  • Zugänglichkeit und Inklusion: Sicherstellung des Zuganges zu Lernressourcen und -aktivitäten für alle Lernenden, einschließlich jenen mit spezifischen Bedürfnissen. Beachten und Eingehen auf die digitalen Erwartungen der Lernenden, ihre Fähigkeiten, Nutzungsformen und Missverständnisse wie auch die kontextuellen, physischen oder kognitiven Einschränkungen ihrer Nutzung digitaler Technologien.
  • Differenzierung und Personalisierung: Eingehen auf unterschiedliche Lernbedürfnisse der Lernenden bei der Nutzung digitaler Technologien, indem Vorangehen auf unterschiedlichen Levels und mit individueller Geschwindigkeit sowie gemäß individueller Lernwege und Ziele ermöglicht wird.
  • Förderung von aktivem Engagement: Nutzung digitaler Technologien zur Förderung von aktivem und kreativem Engagement der Lernenden bei einem Thema. Nutzung digitaler Technologien im Rahmen pädagogischer Strategien zur Förderung transversaler Strategien, vertieften Denkens und kreativen Ausdrucks bei den Lernenden. Öffnung des Lernens gegenüber neuen Kontexten der realen Welt, wobei die Lernenden selbst in konkrete Aktionen, wissenschaftliche Forschung oder die Lösung komplexer Probleme involviert werden oder auf andere Weise das Engagement der Lernenden in komplexen Angelegenheiten gesteigert wird.

 

Bereich 6: Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden

Befähigung der Lernenden zur kreativen und verantwortlichen Nutzung digitaler Technologien zu Zwecken der Information, Kommunikation, Erstellung von Inhalten, Problemlösung und des
Wohlbefindens

Lehrende  müssen  den  Lernenden  digitale  Kompetenz  beibringen.  Dabei  unterscheidet  „DigCompEdu“ fünf Bereiche:

  • Informations- und Medien-Literacy: Aufnahme von Lernaktivitäten, Aufgaben im Unterricht, welche von den Lernenden fordern, Informationsbedürfnisse zu äußern, Informationen und Quellen in digitalen Kontexten zu finden, Prozesse zu organisieren, Informationen zu analysieren und zu interpretieren sowie Vergleich und kritische Bewertung der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Informationen und ihrer Quellen.
  • Digitale Kommunikation und Kooperation: Aufnahme von Lernaktivitäten, die von den Lernenden die effektive und verantwortliche Nutzung digitaler Technologien zu Kommunikation, Kooperation und bürgerlicher Teilhabe erforderlich machen.
  • Erstellung digitaler Inhalte: Aufnahme von Lernaktivitäten, die von den Lernenden fordern, ihre eigenen Gedanken mit digitalen Mitteln zum Ausdruck zu bringen, sowie digitale Inhalte in verschiedenen Formaten zu modifizieren und herzustellen. Den Lernenden ist beizubringen, wie Copy-right und Lizenzen für digitale Inhalte geregelt sind, wie Quellen zitiert und Lizenzen zugewiesen werden sollen.
  • Verantwortliche Nutzung: Das physische, psychologische und soziale Wohl der Lernenden bei der Nutzung digitaler Technologien muss bewertet und sichergestellt werden. Die Lernenden müssen dazu befähigt werden, mit Risiken umzugehen sowie digitale Technologien sicher und verantwortlich zu handhaben.
  • Digitale Problemlösung: Aufnahme von Lernaktivitäten, die von den Lernenden fordern, technische Probleme zu identifizieren und zu lösen oder technisches Wissen kreativ auf neue Situationen zu übertragen.
Von didacta DIGITAL • Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Waltraut Walbiner • 23.04.2019

Zum Weiterlesen:

Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Waltraut Walbiner

Der Einsatz neuer Technologien in der frühen  Bildung. Herausforderungen und Perspektiven Band 1, Reihe „Bildung braucht digitale  Kompetenz“

Didacta Verband, 2018 - Frei verfügbar hier als Download

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