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Diskussion digitale Kompetenz

Digitale Bildung: sinnvoll oder nicht?

Bring your own Device (BYOD): Sollen Schüler ihre eigenen Tablets oder Handys im Unterricht nutzen? Die Reihe „Bildung braucht digitale Kompetenz“ arbeitet den Diskussionsstand in der digitalen Bildung auf.

Kinder wachsen in einer Umgebung auf, in der digitale Medien und Angebote allgegenwärtig sind. Lange Zeit wurde darüber diskutiert, ob Kinder digitale Geräte und Angebote nutzen sollten, und welche – schädlichen – Auswirkungen diese auf deren Entwicklung haben könnten.

Um den Diskussionsstand zur Digitalisierung aufzuarbeiten, Konzepte aus dem In- und Ausland zu präsentieren, die bei der Bewältigung dieser Herausforderung herangezogen werden, sowie um den Verlauf der Entwicklung auf nationaler Ebene nachzuzeichnen, hat der Didacta Verband der Bildungswirtschaft zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales das Projekt „Bildung braucht digitale Kompetenz“ initiiert.

didacta DIGITAL stellt Auszüge aus dem Band 1 „Der Einsatz von Technologien in der frühen Bildung – Herausforderung und Perspektiven“ vor:

„BYOD – Eine Anleitung für Schulleiter“

„Diese Anleitung für Bildungseinrichtungen und andere Entscheidungsträger, deren Online-Version regelmäßig aktualisiert werden soll, wurde von European Schoolnet als Teil der Arbeit der EU in deren interaktiven Classroom Working Group, ICWG, erarbeitet. Ziel ist es, über die Entwicklung einer schulischen ICT-Strategie zu informieren und Entscheidungsfindung zu unterstützen sowie auf der Grundlage neuer Daten und Feedback von den Teilnehmenden kontinuierlich Informationen zu vermitteln und zu beraten.

1-zu-1-Computing und die Nutzung tragbarer Geräte im Unterricht wird mittlerweile weltweit in vielen Bildungskontexten zur Norm. Die entsprechende Ausstattung erfordert jedoch erhebliche finanzielle Investitionen auf Seiten der Schulen oder ihrer Geldgeber. Auch die Geschwindigkeit, mit der sich einige Technologien verändern und die Anschaffung neuer Geräte erforderlich machen, wie auch die Kosten für die Bereitstellung von Unterstützung und Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der technischen Ausstattung rufen Besorgnis über deren langfristige Finanzierbarkeit hervor. Eine Folge davon ist das wachsende Interesse an der Debatte über das Konzept BYOD.

Forschungsergebnisse des European Schoolnet zeigen, dass mittlerweile durchschnittlich 75 Prozent der  Schulen  in  Europa  es  Schüler/-innen und Fachkräften erlauben, ihre eigenen tragbaren Geräte wie Smartphone und Tablet in der Schule zu nutzen. Der Prozentsatz der Schulen, die über eine grundlegende Konnektivität hinausreichende Dienste anbieten, ist jedoch mit 35 https://www.didacta-digital.de/digitale-kompetenz/der-einsatz-neuer-technologien-in-der-fruehen-bildung-band-1-zum-downloadProzent wesentlich geringer. Aus der Forschung, aus Interviews mit Politiker/-innen, Behörden, Schulleitungen und Fachkräften, die für die vorliegende Anleitung durchgeführt wurden, ergeben sich folgende wesentliche Aussagen:

  • Ein  exzellentes  Breitband  und Wi-Fi, die gute Dienste für eine große Anzahl gleichzeitiger Nutzer bieten können, sind von zentraler Bedeutung. Die Unterstützung durch IT-Personal oder der Kontrakt mit einem geeigneten IT-Dienstleister sind gleichfalls sehr wichtig.
  •  Obwohl Schulen einiges sparen können, wenn Schüler/-innen ihre eigenen  Geräte   mitbringen,  ist jedoch ein vergleichbares Level an Investitionen für das Upgrading und die Erhaltung der Infrastruktur erforderlich, die für die Implementierung von 1-zu-1-Computing notwendig sind.
  •  Lehrerfortbildung, kontinuierliche professionelle Weiterentwicklung und pädagogische wie technische Unterstützung für die Fachkräfte sind gleichfalls wesentlich.
  • Gemeinsam mit anderen Strategien zur Verbesserung der Schule werden engagierte und informierte Schulleitungen gebraucht, um den kulturellen Wandel voranzubringen und strategische Ziele zu erreichen.
  • Wenn die Nutzung der eigenen Geräte von Schüler/-innen gefordert wird und nicht freiwillig ist, stellen sich Fragen zur Gleichberechtigung und Inklusion. Forschung, Bildung und Politik stimmen dahingehend überein, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, die sicherstellen, dass alle Schüler/-innen, unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund, ähnliche Technologien nutzen können. In einigen Ländern ist Gleichheit ein besonders empfindliches Thema und man befürchtet, dass BYOD das Prinzip der Bildungs- und Lehrmittelfreiheit unterminieren könnte.“
Von didacta DIGITAL • Wassilios E. Fthenakis und Waltraud Walbiner • 30.01.2019

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